lauf los johnny

ich finde die winterspiele ja immer schon total langweilig. kann mir fast nichts schlimmeres vorstellen als den nachmittag lang den jungs bei runterhüpfen zuzuschauen. da fällt mir ein, wieso springen eigendlich keine frauen, oder weiß ich das nur nicht, weil ich es nie schaue?
na ja egal, was ich eigendlich schreiben wollte ist dies: ein irrer junger ami namens johnny weir mischt die eiskunstlaufszene auf. jetzt äreger ich mich doch ein wenig keinen fernseher zu haben, denn man kann ja von ihm halten was man will, das zuschauen macht aber auf jeden fall mal wieder spaß.

letzte male

bin zum letzten mal zurück in wien. die letzten male werden sich jetzt häufen, denn in zwei wochen ist meine zeit hier abgelaufen und ich gehe zurück nach berlin. fühle mich ja schon seit anfang januar in abschiedsstimmung. es ist so wie immer, erst glaubt man die zeit geht gar nicht vorbei und dann weiß man nicht mehr, wie man alles schaffen soll. ich freue mich auf berlin, aber ich werde wien vermissen. ich dachte anfangs ich würde hier nur ein halbes jahr wohnen und es geht sicher schnell vorbei. das ging es auch, aber natürlich habe ich hier gelebt und nicht nur ein zimmer bewohnt. das hier leben war schwieriger, als ich mir vorgestellt hatte und es lief einige zeit richtig schlecht (was vielleicht nicht so raus zu lesen war).
ich hab mal um mich an alles zu erinnern zwei listen erstellt. sie sind für die guten und schlechten erfahrungen, die ich hier über mich und auch andere gemacht habe. die listen sind beide nicht vollkommen und wann immer mir noch was einfällt, werde ich daran weiter schreiben. weil sie aber schon so viele punkte enthalten, veröffentliche ich sie schon mal jetzt.

gut:

• ich bin zäh. vielleicht war ich naiv aber ich dachte wirklich es würde hier ein wenig so laufen wie in berlin. dort sucht man einige zeit und findet dann aber sicher ein zimmer. daß ich letztendlich in einem jugendwohnheim und danach in einer mottenverseuchten, vollgekramten wohnung lande hab ich mir nicht vorgestellt. ok, es war ein bescheidener start, aber ich hab nicht lange ans nach hause fahren gedacht und einfach das beste draus gemacht. was soll man auch anderes tun?
• weiß jetzt sicher, dass ich ihn heiraten will. das halbe jahr war eine frist für mich und ihn, um zu wissen, ob das denn alles das richtige ist oder nicht. ich bin sehr froh, dass sich durch seine worte und taten herausgestellt hat, dass er alles ist was ich will. noch glücklicher bin ich darüber, dass meine exkursion ihn nicht abgeschreckt hat. im nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob ich es noch mal so locker mit wechselnden mitbewohnern aufgenommen hätte. er hat es für mich getan und das werde ich ihm nie vergessen.
• ich habe wie auch schon so oft in anderen situationen zu spüren bekommen, dass ich in einer unglaublich tollen familie aufgewachsen bin und die besten eltern und schwiegereltern (in spe) habe. ihr seid mein vorbild in sämtlichen fragen.
• leute kennen zu lernen viel mir immer ein wenig schwerer. schiebe das gern auf die zurückhaltung, die den norddeutschen nachgesagt wird. hab eine sehr lebenslustige freundin aus dem nachbardorf, die das für mich immer mit ausgleicht. bei ihr beißt diese nordische regel auf granit, somit ergänzen wir uns sehr gut. hier war alles ganz von mir allein abhängig und ich habe festgestellt, dass es nicht so schwierig ist wie ich dachte, einfach mal über meinen schatten zu springen. hoffe sehr, dass ich diese eigenschaft beibehalte, denn ich habe dadurch einige wunderbare freunde gewonnen.
• wien ist eine tolle stadt. ich könnte den ganzen tag durch die kleinen gassen spazieren (hier verwende ich die deutsche definition von gasse, denn in österreich heißt auch eine vierspurige straße gern mal gasse). es gibt hier unglaubliche bauten, die so selbstverständlich sind, daß selbst fast food ketten in früheren ball- oder theatersälen mit stuck und säulen untergebracht sind
• ich mag den wiener schmäh und die gemütlichkeit. es ist richtig schön im café nicht zehn mal gefragt zu werden was man noch möchte. man bestellt eine melange und ließt dann die nächsten vier stunden ausgiebig die zeitung. genauso ist es, wenn sie eine kostenlose internetverbindung wie im café latte haben. dann sitzt man und chattet mit dem herzmann oder ließt blogs.
• hab mal gelesen wien hätte das größte straßenbahnsystem europas. glaube ich sofort, denn mit der bim wird hier fast jeder winkel abgedeckt. in berlin bin ich immer ungern mit der tram gefahren, weil sie ewig braucht. hier kommt die bim alle paar minuten und man sollte schon sehr aufpassen, weil sie manchmal ganz schön rast. auch die wiener u-bahn nutzer haben einen großen vorteil gegenüber den berlinern, weil die u-bahn oft ohne plan hintereinander weg fährt. länger als drei bis vier minuten wartet man da selten.
• der beste radiosender ist eindeutig fm4. gesprochen wird im wechsel deutsch, englisch und französisch. sie spielen sehr viele junge, neue bands, wodurch ich fan wurde von tomte, kings of conevience, the strokes, mando diao, clap your hands say yeah und etlichen anderen
• mein blog! bevor ich her kam las ich so gut wie keine blogs. der herzmann schreibt ja schon lange und hat mich letztendlich überzeugt indem er mir andere blogs zeigte. ich lese gern darüber was den leuten passiert, es ist tröstlich und amüsant. außerdem ist man sehr gut informiert, denn viele dinge sind in blogs schon lange ausdiskutiert worden, bevor die medien überhaupt darüber berichtet haben. ich hab das gefühl durch die vielen privaten meinungen zu einem thema besser informiert zu sein, als über die einseitige berichterstattung in zeitungen oder fernsehen. mein problem ist jetzt eher, dass ich es zeitlich kaum schaffe all das zu lesen, was ich möchte.

schlecht:

• einsamkeit, dazu gibt es nicht viel zu sagen
• zweckfreundschaften sind deprimierend. habe mich manchmal mit jemandem getroffen, bei dem ich schon wusste, dass wir nicht befreundet bleiben, weil die chemie einfach nicht stimmt.
• viele wiener in meinem alter haben scheinbar fertige freundeskreise und auch kein interesse daran, den kreis durch neue bekanntschaften zu erweitern. man kennt sich meist schon aus der schulzeit und da österreich nicht so groß ist, studiert man oft in der selben stadt. mir ist es öfter so ergangen, daß ich mich mit jemandem wirklich netten drei, vier mal zum kaffee oder ins kino getroffen habe und dann aber das gefühl hatte nicht wirklich willkommen zu sein. man trifft sich zwar gern mal mit mir allein, aber bei gruppenaktivitäten bleibt man außen vor. manchmal dachte ich auch es liegt daran, daß ich erstmal nur ein halbes jahr hier bin und dann, daß ich aus deutschland komme (nicht so albern wie gedacht, siehe dritten punkt). bin natürlich nicht sicher glaube aber, daß sie jemanden aus einem exotischerem land eher in ihren freundeskreis aufgenommen hätten. ich bilde mir ein, dass die berliner da offener, bemühter und nicht so voreingenommen sind.
• wien ist keine weltstadt. natürlich sehen viele wiener das anders, aber für diesen rang müssen sie ein wenig mehr tun. touristen sind gern gesehen, aber oft nur als geldquelle. es ist wie mit den schönen alten gebäuden, man steckt fest in alten ansichten. die menschen sind nicht sonderlich offen für neues. schon die bereitschaft im ausland zu leben und neues kennenzulernen ist viel geringer als in berlin. oft habe ich auch gehört, dass der aufenthalt einfach abgebrochen wurde, weil man die vertrauten dinge vermisste und keinen sinn darin sah sich durchzuboxen.
• noch immer herrscht hier ein alberner und nervender groll deutschen gegenüber. erschreckender weise denken auch manche jungen leuten so, allerdings kann mir keiner so richtig erklären, was denn überhaupt der grund dafür ist. oft hörte ich nur : “das ist schon immer so!“ ich schiebe es ein wenig auf die unglaublich schlechte aufarbeitung der nazizeit. viele glauben, daß österreich damit nicht viel zu tun gehabt hat. auch die verweigerung das banale wort tschüß zu benutzen, erinnert mich manchmal an minderwertigkeitskomplexe dem größeren deutschsprachigen land gegenüber. habe dadurch wohl einen kleinen nationalstolz entwickelt. das darf man natürlich nicht laut sagen, denn es passt ja nicht in die deutsche mentalität.
• versuche probleme mit essen zu kompensieren. das sollte schleunigst behandelt werden.

alltag in syrien

eigendlich wollte ich gar keinen beitrag über diese ganze karikaturen sache schreiben. fühle mich da nicht genug informiert und man kann schon genug gutes und leider auch schlechtes darüber lesen.
heute aber steht im standart ein reisebericht von einem journalisten, der gerade durch syrien reist. mit dabei ist eine freundin, die einen dänischen pass besitz. ich fand den artikel einfach deshalb so gut, weil er eine seite beschreibt, die ich bisher in all den reportagen vermißt habe.
michel reimons bericht aus syrien

die zeit rennt

hab gerade “sommer vorm balkon” gesehen und richtig heimweh bekommen. aber nicht nur das, auch eine unglaubliche freude auf den sommer vor meinem balkon in berlin mit freunden von dort und hoffentlich vielen von hier, die dann zu besuch sind.
werde langsam wehmütig gehen zu müssen und stelle schon jetzt fest traurig zu sein, ob all der tollen dinge in wien, die ich nicht mehr geschafft habe zu machen oder zu sehen!

och nö, schluß ma jetzt!

was ich mit dieser wohnung durch habe, werde ich wahrscheinlich noch jahre später erzählen. hier schnell die nächste anekdote bevor ich ins bett muss. krankheit, ihr wißt ja!
schon in den letzten nächten ist mir ein rhythmisches geräusch in der wohnung aufgefallen, das ich mir nicht erklären konnte. hab keine wecker oder uhren hier, deshalb wollte ich immer mal tagsüber nachsehen, habs aber immer wieder vergessen. heute kriege ich mit (weiß der fuchs wie), dass der wasserzulauf in der küche leckt. aber nicht son büschn ne ne! wenn schon, denn aber richtig. das ding läuft garade zu. war gerade ne woche lang nicht da, weiß also nicht, wieviel wasser da schon ausgelaufen ist. was mach ich jetzt? muß zum hausmeister, denn hier gibt es ja auch kein werkzeug. (schande über ellis haupt, wie kann denn sowas heute noch sein?)
ich meine, die wohnung sieht durch die krankheit bedingt aus wie sau, ganz zu schweigen davon, dass sich nach ner bestimmten zeit mit tee und erkältungsbädern ja auch der geruch verändert. na nur gut, daß ich heute schon mal unter der dusche stand. alles also halbwegs verstauen, bett machen, lüften, haare zusammen und runter zum hauser. leider ist nur seine frau da, aber sie ist immer so neugierig hilfsbereit, dass sie gleich mit rauf kommt. als ich sie frage, ob sich der mieter unter mir vielleicht schon wegen eines wasserschadens beschwert hat, schaut sie mich ganz erschrocken an und fragt in welcher nummer ich wohne. es stellt sich heraus, dass der unter mir wohnende vor fünf wochen in der wohnung verstorben ist. weil er aber offensichtlich keine verwandten hatte, ist er erst vor zwei wochen gefunden worden. der konnte sich also nicht mehr beschweren. jetzt kann man aber auch nicht mehr in der wohnung nachsehen, denn die polizei hat damals die tür versiegelt oder was auch immer.
oben in meiner küche erzählt sie mir dann nach der semiprofessionellen reparatur noch ein paar geschichten über “meine” wohnung. elli war ja wie ich schon wußte über den sommer nicht hier. statt dessen hat sie ihre wohnung an drei freunde vermietet, die dann jeweils einen monat hier wohnten. über den ersten gab es nichts zu sagen, deshalb dachte sich niemand was dabei, als der nächste einzog. der hat aber wohl so lautstark und exzessiv gefeiert, daß sich sämtliche nachbarn beschwerten und er nach zwei wochen schon rausgeschmissen wurde.
tessa, mama überspringt den nächsten absatz!
als nächstes kam eine junge frau mit ihren sämtliche haustieren. ratten hatte sie wohl am liebsten. allerdings leiß sie die ungern nur in der wohnung und auf dem weg zu haustür kam es wohl öfter vor, daß sich eines von den abenteuerlustigen tierchen davon machte. wieder waren die nachbarn nicht begeistert, aber als sie versprach die ratten in der wohnung zu lassen durfte sie den rest des monats bleiben.
jetzt könnt ihr weiterlesen.
danach kam elli für ein paar tage her, bevor sie nach paris aufbrach. kurz danach ist otto eingezogen und von da an kennt ihr die geschichte. wenn nicht oder zur auffrischung schaut hier.
es wird zeit, daß ich nach hause komme. noch mehr überraschungen kann ich bald nicht mehr verkraften.

mottenjerry

der eine oder andere wird sich vielleicht noch an mein kleines motten/maden problem erinnern, das ich anfangs in dieser wohnung hatte. jerry hatte offensichtlich mal ein ähnliches problem, wobei ich echt froh sein kann, dass es bei mir nicht so ausgeartet ist.

jerry.jpg

übrigends bin ich noch immer krank. es ist nicht mehr soooo schlimm, aber ein bißchen mitleid (danke sillie) tut immer gut!

heulsuse

heute bin ich glaub ich mal krank. ist nicht so schlimm, weil ich ja diesen monat keine richtige arbeitsstruktur habe, wenn man das mal so nennen darf. museumsjob erst wieder am sonnabend, zeitungsjob nächten montag und praktikum zu ende. statt die restliche zeit zu genießen und für die praktikumsarbeit zu nutzen liege ich flach. koch jetzt noch ne kanne und schau mir stolz und vorurteil von der bbc im original an. dann gehts mir bestimmt bald besser. könnt froh sein, dass ihr nicht in meiner nähe seid. nicht wegen der ansteckung, sondern weil ich, wenn es mich erstmal erwischt hat ein jammerlappen bin (kein kommentar nötig herzmann!).