Monthly Archives: August 2006
bin gerade nicht da
sehr nett hier! mittwoch gehts weiter nach wien. freu mich schon soooo sehr in die alte heimat zu kommen.
freuden, die LaTex bringt
als informatikerfrau hat man es manchmal schwer. ständig werden neue sachen getestet und sobald die tauglichkeit für gut befunden wird, versucht der herzmann mir dieses oder jenes mit den besten absichten aufzudrängeln.
als er neulich meinte: “frau, du brauchst latex!” hab ich mich erst gefreut, als wir uns dann aber am rechner wiederfanden ahnte ich schon böses. natürlich (wie dumm von mir!) handelte es sich um das textverarbeitungsprogramm LaTex. unglaublich viele kompliziert aussehende codes nahmen mir gleich mal die lust an allem, aber der mann blieb hartnäckig. ich begann also meine hausarbeit damit zu schreiben. die ganze aufmachung ist gewöhnungsbedürftig für jemanden der immer mit word schreibt. alles sah für mich nach irgendeiner programmiersache aus, denn man schreibt alles hintereinander weg. überschriften oder untertitel sind durch befehle wie \section{} definiert und eine tabelle wie diese

wird dann so geschrieben:

die fertige form der arbeit bekommt nur durch eine bestimmte tastenkombination zu gesicht. überhaupt sind tastenkombinationen das ah und oh! anfangs stritten der herzmann und ich noch inbrünstig darüber wann ein normaler mensch, also nicht informatiker, mathematiker usw. jemals eine geschweifte klammer (das ist übrigens diese hier {}) benutzt. ich bin immernoch der meinung, daß sie im alltäglichen leben nicht vorkommt, bei LaTex ist sie aber unverzichtbar.
inzwischen schreibe ich ganz gern mit dem programm. das wichtigste ist ein fettes, benutzerfreundliches buch neben sich liegen zu haben, um alles nachschlagen zu können. das hält anfangs noch ein wenig auf, irgendwann friemelt man sich da aber rein. gerade jetzt zum beispiel bin ich wahnsinnig stolz auf mich, weil ich ohne es hilfe geschafft habe eine tabelle zu erstellen, in der die ersten zwei zeilen zusammengefaßt werden, die folgenden vier aber auf zwei spalten aufgeteilt sind. weil die spalten zu viel inhalt hatten mußte einen zeilenumbruch stattfinden und damit die tabelle im ganzen nicht zu groß für die seite wird habe ich auch noch die spaltenbreite festgesetzt. als ich die tabelle dann endlich so in meiner arbeit hatte, wie sie im buch abgebildet ist hab ich erstmal laut gejubelt. sogar mit diesem LaTex kann man freude haben.
was bisher geschah, teil 2
auf grund akuten zeit- und geldmangels führte die hochzeitsreise den herzmann und mich gerade mal bis nach stralsund. während der kompletten hinfahrt mußten wir eine nervige göre mit furchtbarem sächsischen dialekt ertragen. eigentlich hatten wir uns natürlich was netteres für den beginn unserer hochzeitsreise vorgenommen, die mit uns im abteil sitzende familie und auch die fehlenden vorhänge ließen aber nur ein heimliches füßeln zu.
im hotel mußte ich dann erstmal die zicke rauslassen. man hatte uns ausgerechnet uns! ein zimmer mit getrennten betten gegeben. der typ an der info hat uns bis zur abfahrt nicht vergeben, daß er minutenlang von wichtigerem abgehalten wurde, nur um uns ein neus zimmer zu suchen. und dann… richtiges bett, aber nix mit entspannung oder aufregung, sondern reine panik, denn es wurde zeit die eltern anzurufen. meine sollten ja eigentlich seit jahren darauf vorbereitet gewesen sein, dennoch mußte meine mutter erstmal schlucken. von seiner mutter war ein unmißverständliches: ihr spinnt ja wohl! zu hören. nach zwei stunden riefen meine schwiegereltern dann allerdings nochmal an, um zu berichten, daß sie nun mit sekt anstoßen. ich kann mich erinnern auch seinen eltern schon mal von meinem plan irgendwo heimlich zu heiraten berichtet zu haben, inzwischen gehe ich aber davon aus, daß sie das wohl nie auf ihren sohn bezogen hatten.
wir verbrachten sehr schöne und unglaublich entspannte tage in stralsund und auf rügen. den verwanten und freuden, denen wir nicht per anruf bescheid sagten, schrieben wir postkarten. darauf stand nur:
viele grüße von der ostsee! wetter ist toll, essen lecker uns seit gestern heißen wir beide niepraschk.
ich glaube wir haben gegen irgendeinen hochzeitskodex verstoßen. gerade die leute, denen es sonst immer so wichtig ist benachrichtigt zu werden haben sich bis heute nicht gemeldet. ihr kennt das sicher, wenn man einen anruf bekommt, wo es heißt: ruf mal noch bei tante so und so an, die hat heute geburtstag! und man macht das dann, will ja die familie nicht verruf bringen. genau diese leute, die noch immer jede tat der schon längst erwachsenen kinder auf die eltern zurückführen, gutes benehmen und respekt wollen, genau diese leute haben sich bis heute nicht dazu herab gelassen und uns gratuliert. es gab sogar den unglaublichen fall, daß eine dieser verwanten bei den schwiegereltern anrief, währen wir auch da waren. meine schwiegermutter erzählte ihr, daß wir neben ihr sitzen und dennoch hat sie nur thomas eltern gratuliert. mit uns wollten sie nicht sprechen! das war ganz sicher das letzte mal, daß ich diese verwanten in mein leben mit einbezogen habe. meine schwägerin hielt mir vorwurfsvoll einen vortrag über positiven streß, dem sie sich aussetzen wird, wenn sie ihre hochzeit ein jahr lang vorbereitet. ich hab nichts dagegen! soll sie mal machen, wenn es sie glücklich macht! ich möchte aber, daß anerkannt wird, daß wir andere vorstellungen haben und danach leben. scheint sehr schwierig zu sein! ebenso zu akzeptieren, daß wir uns kein praktisches topfset oder neue vorhänge sondern geld zur hochzeit wünschen. ich will nicht undankbar klingen, aber der herzmann und ich leben nun mal schon seit jahren zusammen. wenn man uns fragt, was wir uns wünschen und dann aber kopfschüttelnd sagt, daß einem der wunsch nicht gefällt und man sich das recht vorbehält uns etwas für die neue wohnung zu schenken, von der ich noch gar nicht mal wußte, daß sie in planung ist, fühle ich mich nicht respektiert.
vielleicht wird der eine oder andere auch sagen, daß ich das alles hinnehmen muß, weil ich heimlich geheiratet habe und deshalb kein anspruch auf die normalen prozeduren habe. mag sein, ein wenig anstand und respekt sollte aber immer drin sein!
es gab und gibt auch jetzt noch immer leute, die sich sehr für uns freuen. die über fünf ecken davon erfahren haben, daß der herzmann und ich geheiratet haben und uns überraschend gratulieren. das ist echt freude!
und deshalb bin ich noch immer sehr glücklich darüber, daß wir es so gemacht haben wie wir es wollten. ich hab es nicht bereut!
was bisher geschah, teil 1
mein leben lang wollte ich verheiratet sein. wie das ganze passieren sollte war mir immer egal, denn ich hab mir meine hochzeit nie ausgemalt wie wohl die meisten frauen. ich wollte nur den richtigen mann finden und mit ihm verheiratet sein. als der herzmann mir endlich einen antrag machte war ich sehr glücklich, trotzdem brauchten wir fast ein jahr um den aus einem antrag resultierenden gang zum amt hinter uns zu bringen.
vorher natürlich die frage schlechthin: wie machen wirs? die vorstellung nur zu zweit zu heiraten gefiel mir. ich hatte meine familie auch öfter schon vorgewarnt, daß es gut sein kann, daß ich eines tages anrufe und sage: viele grüße aus new york*. das wetter ist toll, das essen lecker und ich heiße jetzt übrigens so und so*!
ich war auf etlichen hochzeiten und ein paar haben mir sogar gefallen, ich fand nur alles zu stressig. die ganze arbeit vor einer hochzeit finde ich nicht lohnenswert. meist dreht sich ja alles um die gäste und gar nicht um einen selbst. wenn wir viel geld gehabt hätten wäre es vielleicht was anderes gewesen, dann hätte ich nämlich machen lassen, aber so pleite wie wir immer sind ging da gar nichts. oh und jetzt höre ich sie schon wieder alle rufen: “eine hochzeit muß nicht teuer sein, man kann ganz viel allein machen!” ja, ich weiß und ich bin sonst die erste im organisieren, ich hatte nur irgendwie das gefühl, die leute wollen uns zu etwas überreden, damit sie selbst mal wieder zu einer hochzeit können. es war sogar die rede von enttäuschung, wenn wirs allein machen sollten. das gab mir sehr zu denken und schob mich erstrecht in die heimlichrichtung. ich finde man kann traurig darüber sein, bei einer hochzeit nicht dabei zu sein, aber enttäuscht ist ein wenig zu viel. als hätte man einen anteil an der beziehung und deshalb ein anrecht auf die hochzeit.
dann gibt es menschen um mich herum, die nicht einsehen wollen, daß man keine spielchen etc. bei seiner hochzeit haben möchte und sich deshalb auch nicht an die bitte nichts in der richtung zu unternehmen halten. das gehöre schließlich dazu! tut es das? nicht auf meiner hochzeit! ebenso gäste, die man aufgrund vorzeitlicher familienverbünde einladen soll, obwohl man sie weder gut kennt noch gut leiden kann.
all das veranlaßte uns am mittwoch vor zwei wochen ins standesamt von neukölln zu fahren und heimlich zu heiraten. das datum wählten wir aus pragmatismus, es war unser sechster jahrestag. ich hatte keine lust mir auch noch ein zweites datum merken zu müssen, das erste ist schon schwierig genug. wie machen das eigendlich andere eheleute? feiern die dann immernoch ihren jahrestag und ihren hochzeitstag? geht der jahrestag einfach verschütt irgendwann? für mich ist das nichts, wir bleiben bei dem einen tag!
schon die anmeldung zur eheschließung ein paar wochen vorher war lustig. da der herzmann und ich weder kinder haben, noch verheiratet, geschieden usw. sind antworteten wir minutenlang auf die fragen nur mit nein, nein, nein. selbst auf die frage, ob wir musik bei der eheschließung haben möchten. don´t cry for me argentina war uns dann doch zuviel. man gab uns den tag, den wir wollten und eine praktische uhrzeit dazu. 11 uhr, wunderbar zum ausschlafen, frühstücken und dann heiraten. zwischendurch war sogar noch zeit mein kleid zu bügeln.
die trauung hat spaß gemacht. komische formulierung, aber genauso wars. nicht erhebend oder romantisch sondern lustig. als man uns ins trauzimmer führte waren draußen bereits 34°. die alte krankenhauskapelle hatte kühle 20° und war wirklich schön. sowas vermutet man gar nicht als trauzimmer. unsere standesbeamtin hätte nicht besser sein können. sie hat gleich gefragt, ob wir eine kamera dabei hätten (die fotos hat tatsächlich alle sie gemacht).
alles was sie uns sagte war ganz locker und nicht so ernst. wir befürchteten ja schon uns eine ganze stunde lang geschichten vom glück und dem ernst der lage anhören zu müssen. aber es lief genau so, wie ich es mir erhofft hatte. nach zwanzig minuten eheschließung und noch ein wenig geplaudere darüber, daß sich die standesbeamten darum reißen in der klimatisierten kapelle arbeiten zu dürfen waren wir verheiratet.
auf dem weg nach hause mußte ich die ganze zeit unsere hände mit den ringen ansehen und lächeln. die leute in der u-bahn starrten uns an. wahrscheinlich nur, weil wir für neuköllner verhältnisse zu gut gekleidet waren.
* ortschaft und zukünftiger name varierten dabei häufig