mein leben lang wollte ich verheiratet sein. wie das ganze passieren sollte war mir immer egal, denn ich hab mir meine hochzeit nie ausgemalt wie wohl die meisten frauen. ich wollte nur den richtigen mann finden und mit ihm verheiratet sein. als der herzmann mir endlich einen antrag machte war ich sehr glücklich, trotzdem brauchten wir fast ein jahr um den aus einem antrag resultierenden gang zum amt hinter uns zu bringen.
vorher natürlich die frage schlechthin: wie machen wirs? die vorstellung nur zu zweit zu heiraten gefiel mir. ich hatte meine familie auch öfter schon vorgewarnt, daß es gut sein kann, daß ich eines tages anrufe und sage: viele grüße aus new york*. das wetter ist toll, das essen lecker und ich heiße jetzt übrigens so und so*!
ich war auf etlichen hochzeiten und ein paar haben mir sogar gefallen, ich fand nur alles zu stressig. die ganze arbeit vor einer hochzeit finde ich nicht lohnenswert. meist dreht sich ja alles um die gäste und gar nicht um einen selbst. wenn wir viel geld gehabt hätten wäre es vielleicht was anderes gewesen, dann hätte ich nämlich machen lassen, aber so pleite wie wir immer sind ging da gar nichts. oh und jetzt höre ich sie schon wieder alle rufen: “eine hochzeit muß nicht teuer sein, man kann ganz viel allein machen!” ja, ich weiß und ich bin sonst die erste im organisieren, ich hatte nur irgendwie das gefühl, die leute wollen uns zu etwas überreden, damit sie selbst mal wieder zu einer hochzeit können. es war sogar die rede von enttäuschung, wenn wirs allein machen sollten. das gab mir sehr zu denken und schob mich erstrecht in die heimlichrichtung. ich finde man kann traurig darüber sein, bei einer hochzeit nicht dabei zu sein, aber enttäuscht ist ein wenig zu viel. als hätte man einen anteil an der beziehung und deshalb ein anrecht auf die hochzeit.
dann gibt es menschen um mich herum, die nicht einsehen wollen, daß man keine spielchen etc. bei seiner hochzeit haben möchte und sich deshalb auch nicht an die bitte nichts in der richtung zu unternehmen halten. das gehöre schließlich dazu! tut es das? nicht auf meiner hochzeit! ebenso gäste, die man aufgrund vorzeitlicher familienverbünde einladen soll, obwohl man sie weder gut kennt noch gut leiden kann.
all das veranlaßte uns am mittwoch vor zwei wochen ins standesamt von neukölln zu fahren und heimlich zu heiraten. das datum wählten wir aus pragmatismus, es war unser sechster jahrestag. ich hatte keine lust mir auch noch ein zweites datum merken zu müssen, das erste ist schon schwierig genug. wie machen das eigendlich andere eheleute? feiern die dann immernoch ihren jahrestag und ihren hochzeitstag? geht der jahrestag einfach verschütt irgendwann? für mich ist das nichts, wir bleiben bei dem einen tag!
schon die anmeldung zur eheschließung ein paar wochen vorher war lustig. da der herzmann und ich weder kinder haben, noch verheiratet, geschieden usw. sind antworteten wir minutenlang auf die fragen nur mit nein, nein, nein. selbst auf die frage, ob wir musik bei der eheschließung haben möchten. don´t cry for me argentina war uns dann doch zuviel. man gab uns den tag, den wir wollten und eine praktische uhrzeit dazu. 11 uhr, wunderbar zum ausschlafen, frühstücken und dann heiraten. zwischendurch war sogar noch zeit mein kleid zu bügeln.
die trauung hat spaß gemacht. komische formulierung, aber genauso wars. nicht erhebend oder romantisch sondern lustig. als man uns ins trauzimmer führte waren draußen bereits 34°. die alte krankenhauskapelle hatte kühle 20° und war wirklich schön. sowas vermutet man gar nicht als trauzimmer. unsere standesbeamtin hätte nicht besser sein können. sie hat gleich gefragt, ob wir eine kamera dabei hätten (die fotos hat tatsächlich alle sie gemacht).
alles was sie uns sagte war ganz locker und nicht so ernst. wir befürchteten ja schon uns eine ganze stunde lang geschichten vom glück und dem ernst der lage anhören zu müssen. aber es lief genau so, wie ich es mir erhofft hatte. nach zwanzig minuten eheschließung und noch ein wenig geplaudere darüber, daß sich die standesbeamten darum reißen in der klimatisierten kapelle arbeiten zu dürfen waren wir verheiratet.
auf dem weg nach hause mußte ich die ganze zeit unsere hände mit den ringen ansehen und lächeln. die leute in der u-bahn starrten uns an. wahrscheinlich nur, weil wir für neuköllner verhältnisse zu gut gekleidet waren.
* ortschaft und zukünftiger name varierten dabei häufig
recht habt ihr! es ist euer tag und den sollte ihr so gestalten, dass es euch gefällt. ich war ja auch immer eine von denen, die gesagt haben, dass sie bei der hochzeit dabei sein wollen, aber es ist ja wirklich immer ein super stressiger tag für die brautleute und mit genießen hat das meist nichts mehr zu tun.
ich freu mich, dass alles so war, wie ihr euch es vorgestellt habt.
danke für die karte!
genießt das eheleben!!!!
wir haben ja lang und breit auf unserem spaziergang im schönbrunner park diskutiert
daher hab ich auch damit gerechnet, dass wir einfach mal irgendwann durch ein kärtchen oder einen telefonanruf die neuigkeit erhalten
ich finds super, dass ihr es genauso gemacht habt, wir ihr es wolltet und euch nicht von irgendwem habt reinreden lassen!
und zu den bekloppten hochzeitsspielchen: ich wurde auch schonmal gleich leicht sauer, als ich freunden erzählte, dass ich fabian _irgendwann_ mal heiraten werde und einer dann gleich sagte, dass er dann für die spiele sorgen würde und vor allem auch nicht aufhörte davon zu reden, als ich protestierte. sowas ist doch bekloppt! und ich will das nicht!
als ich meiner mutter neulich von eurer hochzeit erzählt hab, rief sie gleich flehend: “aber sowas macht ihr bitte niiiicht!!”
ich finde eure variante zu zweit eh cool, aber ganz allein wäre glaub ich nix für mich und daher werde ich meine mutter wahrscheinlich nicht enttäuschen und sie dabeisein lassen
aber viel mehr als allerallerengster familienkreis wirds auf dem standesamt sicher auch nicht geben…der große kreis kommt dann erst später auf der grooooßen party…aber bis es dazu kommt, muss glaub ich erstmal ein kind her, jedenfalls ist das fabians antwort, wenn wir über verlobung diskutieren
Hi Gela,
bin heute nach ein paar Tagen Landleben wieder nach Wien gekommen - danke für die Karte! Eine Frage noch zu Eurer Hochzeit: Hab mich gefragt, wie ihr das mit Euren Trauzeugen gemacht habt - spontan von der Strasse aufgegabelt? Oder braucht man die in Deutschland etwa nicht? Bis demnächst, liebe Grüße, Sabine
hey bine,
wir hatten uns ja auch mal überlegt in wien zu heiraten, allerdings braucht man bei euch noch trauzeugen. ich hätte ja glatt jemanden im standesamt gefragt, ob er das nicht mal schnell machen könnte, aber thomas war das nichts. er wollte wenn schon trauzeugen, dann auch jemanden den er kennt. dann allerdings hätten wir zwei leute fragen müssen, die dann sicher samt partner dabei gewesen wären und das fanden wir dan gegenüber unseren familien und freunden gegenüber unfair.
in deutschland braucht man neuerdings keine zeugen mehr, was ich sehr gut finde.
hoffe du hast dich zu hause gut erholt! viele grüße, gela