herzlich willkommen 30

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1976 war offensichtlich ein geburtenstarker jahrgang, denn um mich herum werden sämtliche leute 30. mich eingeschlossen! nun scheint dieser tag bei vielen beklemmungen auszulösen. vom ende der wilden jahre und jetzt sei der spaß vorbei ist da die rede. gerade heute beendet eine kollegin ihre zwanziger und erklärte mir gestern, was für ein herber schlag das für sie sei. sie fühle sich eher wie 25 und da passe eine 30 einfach noch nicht.
viele in meinem jahrgang setzten 30 gleich mit alt. als wäre es ihnen von nun an wegen der porösen knochen unmöglich die nächte durchzufeiern oder einen kurztrip nach barcelona zu buchen. dazu muß auch noch gesagt werden, daß um mich herum niemand kinder hat, auf die rücksicht genommen werden müßten. statt dessen sind die meisten studenten und nicht gebunden, was also steht ihnen im weg? vielleicht, daß sie noch immer studenten sind und ungebunden? in den augen bestimmer gruppen also bisher nichts erreicht haben? das bild, das die gesellschaft von dreißigjährigen hat, paßt auf viele einfach nicht. statt eines autos und geregelten lebens sind sie ewig pleite, über die regelstudienzeit hinaus, noch immer ohne abschluß und haben auch keinen job in sichtweite, der den lebensstandart, den man inzwischen hat auch finanziert.
schon seit jahren fand ich dieses rumgesuche nach dem was will ich und was kann ich anstrengend. sich ständig in der uni fehl am platze zu fühlen, sich wahlweise in seminaren für erbärmlich dumm zu halten oder auch manchmal beschämt für zu intelligent, hat mich sehr verunsichert und einfach keinen sinn in dem ganzen mehr sehen lassen. am rumtesten hatte ich auch schon lange keine lust mehr. neue männer auszuprobieren und ausprobiert zu werden, bis man endlich auf einen trifft, der sich zum herzmann entwickelt. all das sind für mich die zwanziger gewesen. ich trauere ihnen nicht nach. im gegenteil war ich froh, sie loszuwerden.
in meinen kopf hatte sich immer die vorstellung breit gemacht in den dreißigern gelassener zu werden. ich nehme es als neuen anfang. eine neue dakade, die ich mit glücklichen ereignissen füllen will. ich habe geheiratet, ich werde meinen abschluß machen und kinder bekommen. das ist, was mich glücklich macht.
wer mit anderen sachen zufriedener wäre soll sie machen. wer sein leben so schon schön fand, soll einfach so weiter machen und sich nicht an der albernen zahl stören. sie sagt nichts anderes aus, als das, womit man sie besetzt.

ein kollege schickte mir eine ganze palette an tröstungen oder aufmunterungen, die er an seinem 30. bekommen hatte:

“Das ist so toll, man hat was erreicht und mußte nicht mal was dafür tun!”
“Bei der gestiegenen Lebenserwartung sind 30 doch die neuen 25!”
“Is och gut, wir sind übern Berg und alles geht jetzt viel leichter (abwärts!).”
“Ich bin froh 30 zu sein. Den ganzen Krampf mit Ausbildung und für Beziehungen verbiegen muß ich nich nochmal haben. Jetzt geht das Leben richtig los!”

mir persönlich gefällt der letzte punkt am besten.


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