krisen

ich neige zu handelsüblichen depressionen. die gründe sind vielfältig. an besseren tagen ist es nur meine eßstörung, an anderen die unerträgliche zukunft. manchmal wünsche ich mir bereits alt zu sein und alles schon hinter mir zu haben.
zur zeit stecke ich im mentalen kampf mit der baldigen diplomarbeit und allem was dazu gehört. ich studiere schon zu lange. meine motivation ging irgendwann abhanden und kam nur ab und an in äußerst geringen dosen wieder zum vorschein. ich quälte mich weiter und nun bin ich am ende. alle vorgeschrieben seminare und vorlesungen sind getan. ebenso das praktikum. dazu muß ich allerdings noch die arbeit abgeben, aber in meiner gleichgültigkeit dem studium gegenüber bin ich mir sicher, daß diese auch noch nach sechs monaten anerkannt wird.
jetzt weiß ich nicht weiter. ungewißheit und meine unzulänglichkeiten in studieninhalten lähmen mich. ich scheine blockiert, wenn es darum geht den letzten schritt zu tun und alles in rollen zu bringen. gleichzeitig wünsche ich es mir endlich mal wissenschaftlich zu arbeiten. dennoch sehe ich mich einfach nicht eine diplomarbeit schreiben, die letzten prüfungen machen und dieses studium, daß mein ganzes leben bestimmt, seit ich nach berlin gekommen bin abschließen.
statt dessen suche ich erklärungen und ausflüchte, warum ich nicht beginnen kann. zu wenig geld, noch weniger zeit. die zeit außerhalb der uni nimmt eine viel größere rolle in meinem leben ein, als es bei studenten der fall sein sollte. ich gehe seit jahren mehr arbeiten, als daß ich studiere und es ist in keinem falle hilfreich etwas komplett anderes im job zu machen, als daß, was man eigentlich werden will. die diskrepanz zwischen dem ist-leben und dem soll-leben ist bei mir riesig.
diese woche geht die uni wieder los. ich müßte nicht hin, aber ein seminar interessiert mich. ich hoffe daraus ein diplomarbeitsthema machen zu können und den mut aufzubringen zu einem prof zu gehen und um betreuung zu bitten. allerdings sehe ich das noch nicht.


7 Responses to “krisen”  

  1. 1 nachtreise

    Liebe Gela, das macht mich ganz betroffen, diese Text von Dir zu lesen. Vielleicht ist es diese Öffentlichkeit für “Interna”, die ich beim B-loggen nicht mag, andererseits hattest Du neulich recht, machmal braucht man Zuhörer (in Deinem Fall Leser). Mir geht es ganz ähnlich wie Dir, Sper Praktika, super Noten und schon ein Jahr den Abschluß und nur Bewerbungen, die kaum eine Maschienenseite Antwort nach sich ziehen. Man läßt uns nicht. Von uns gibt es zu viele. Ich würde auch eine fachfremde Arbeit tun, wenn sie denn nur anständig bezahl werden würde und man kein Student sein müßte, um se zu bekommen. Ich hege im Innern den Traum, noch mitanzusehen, wie das ganze System zusammenbricht, daß sich arbeitsmarktmäßig in Berlin und anderen Unistädten auf unserem Rücken aufgebaut hat, wenn es bald nur noch Bachelorstudiengänge gibt, mit straffen vorgegebenen Stundenplänen ohne Zeit zum jobben.
    Das hilft bei dem Problem nicht, denn wie soll man sich für eine DA motivieren, wenn anschließend nichts als Lohn auf einen wartet. Ab dem Tag, an dem das Studium über die Bühne gegangen ist, geht der Kampf erst richtig los…
    Ich denke, daß nicht mal eine Revolution uns helfen kann. Aber Jammern eben auch nicht. Surfen, suchen, weitermachen. Bisher glaube ich trotz allem daran, daß es irgendwann funktioniert.

  2. 2 schubi

    mensch gela, wusste gar nicht, dass es dir momentan so schlecht geht. aber du bist doch hart im nehmen und du hast schon andere sachen gemeistert.
    nimm alles immer schritt für schritt in angriff. lass dich bei deinem seminar für die diplomarbeit inspirieren und dann häng dich rein.
    es haben schon ganz andere leute ein studium abgeschlossen, und die hatten auch keine ahnung von dem, was sie da machen (ick rede von mir).
    und was danach kommt, weiß keiner. aber ich kenne viele leute, die erstmal in ein loch gefallen sind und sich neu orientiert haben und jetzt tolle jobs haben (ick rede schon wieda von mir).
    süße, lass dich nicht von der herbst-depression anstecken und zieh jetzt das letzte stück deines studiums durch - chaka!
    wenn du jemanden zum quatschen brauchst - ruf an!!!!!

  3. 3 tessa

    hallo,
    oh man war der nachmittag so grausam gestern? lass dich doch durch solche dinge nicht aus der ruhe bringen. du schaffst das auch, genau wie ich. ich weiss, dass es nach dem studium auch nicht so toll ist, siehe bonger und immer noch bei aa, aber trotzdem ich glaube daran, es zu schaffen. ich weiss, du kannst es auch…
    du weisst, wie meine einstellung zu der sache ist, du bist nicht alleine….reden hilft!!!

  4. 4 Herr B.

    Ich hatte seinerzeit das zweifelhafte Vergnügen, einer der letzten meines Architektenrudels zu sein, der seinen Abschluss machen musste. Durch meine Verletzung war ich deutlich aus dem Tritt geraten und ebenso ein Mutterboden für hartnäckigen Zweifelbefall geworden…

    Meine Kollegen wurden es nicht müde, säckeweise gute Ratschläge über meinem grübelnden Haupt auszuschütten, vor allem der mich am meisten enervierende Spruch “Der schönste Moment ist der, wenn es vorbei ist” wurde gern und oft benutzt. Diese Zukunft schien so weit…

    Wie sie alle recht hatten. Natürlich scheint es auf den ersten Blick keine Rolle zu spielen, ob man vor oder nach seinem Uni-Abschluss vor sich hinkrêpelt und das Gefühl, der unqualifizierteste Mensch auf Erden zu sein, wie einen Sack fauler Erbsen vor sich herträgt. Aber dieses kleine Häkchen, das man dann einst hinter das Wort “Studium” machen wird, zeigt, dass man einen Schritt durchs System geschafft hat, den einem keiner mehr nehmen kann, egal ob man seine Prüfungen nur mit Ach und Krach bestehen konnte oder einen das Diplomthema mittlerweile sonstwo vorbeigeht!

    Ich habe die Nacht vor meiner Diplompräsentation standesgemäß komplett mit Restarbeiten an meinem Modell verbracht und kann heute nicht mehr rekapitulieren, wie ich diese 3 Stunden am Nachmittag des 11. Dezember 2003 überhaupt überlebt habe. Aber ich weiß noch genau, irgendwo zwischen erstem Bier danach und dem Nachhauseweg machte es leise “klick” in meinem Kopf, und ein einziges kleines Wort stand in meinem durchgewalkten Hirn geschrieben: Vorbei.

    Schau auf Deine eigene Überschrift, Baby. Mach sie wahr.
    Herr B.

  5. 5 gela

    mein erster impuls nach dem lesen der kommentare war, zu schreiben: “ach, ihr kennt mich doch. so schlimm ist es gar nicht und ich hab da wohl ein wenig übertrieben.” aber ehrlich gesagt nagt das schon ganz schön an mir. ich glaube ich hab einfach angst. natürlich kann ich mich nicht noch länger davor drücken, denn irgendwann schäme ich mich schon vor mir selbt ob meiner feigheit. selbst wenn das seminar nicht den erhofften impuls bringt, werde ich mir dieses semester ein thema aussuchen und mit einem prof abmachen. ich hab keine lust mehr auf dieses in der luft hängen und nicht wissen wohin. ich will dieses kapitel jetzt auch mal abschließen. sicher können andere damit besser umgehen, aber ich glaube, daß es eine ganze menge studenten gibt, die sich ihrer meinung nach in einer ausweglosen studiumsituation befinden und nicht weiter kommen. AA ist doch da ein fundus.
    danke für die kommentare.

    nachreise: wir haben uns ja gerade darüber unterhalten, wenn man persönliche dinge schreibt will man meist einfach ein wenig zuspruch oder meinungen, die dazu führen sich selbst tiefer mit dem thema auseinanderzusezten.

    schubidu: ich bewundere schon sehr, wie du das gemacht hast. sich nach allem für einen komplett anderen beruf zu entscheiden, braucht schon mut. besonders, wenn man bedenkt, wie lange du diesen beruf schon wolltest.

    tessa: der nachmittag war sehr schön und hat nichts mit meinen bedenken zu tun. der unterscheid bei uns ist, daß du viel schneller handelst. ich hadere da noch elendig lange mit mir, während du schon längst tust, was du für richtig hältst. auch wenn deine situation nicht sonderlich befriedigend gerade ist, weiß ich doch, daß du bis zum ende des jahres einen ausweg gefunden hast. du kannst ja nie stillstehen und wirst deshalb auch nie irgendwo versauern. eher änderst du alles von grund auf. da bist du viel mutiger. keine sorge, ich komm dich immer besuchen. london fände ich nett, südafrika aber noch besser.

    herr b. du hast vollkommen recht. irgendwo versteckt in meinem hirn freue ich mich auf diesen moment, in dem alles verhaßte
    von mir abfällt und ich die uni hinter mir lassen kann. ich glaube allein dafür ist es die mühe wert das ganze jetzt endlich durchzuziehen. noten interessieren mich ja schon lange nicht mehr, nur der abschluß ist noch wichtig und wenn es soweit ist, werde ich feiern!

  6. 6 FrauS

    Hallo
    habe nur kurz vorbeigeschaut aber bin auch eine der so-grade-fertiggewordenen Magistras die keiner braucht und möchte daher was dazu-senfen:
    gehen Sie’s an, es hilft irgendwie. Denn die Abschlussarbeit, egal ob Magister oder Diplom, liegt einem doch irgenwie schwer im Magen.
    Mein Liebster hat mir immer mit dem Spruch geholfen, dass die Abschlussarbeit in Wirklichkeit nur eine Fleissarbeit ist, die man noch abliefern soll. Sie ist Teil des Spiels. Das hat mir die Hürde etwas herabgesetzt (ist man es doch schlussendlich selbst, die nicht zufrieden ist mit dem Abgelieferten…), macht es allerdings für die Zeit nach dem Studium nicht besser (zugegeben), aber auch da gehts irgendwie immer weiter, ausser dass alle das Studium nur noch als eine Art Vorbereitungskurs ansehen…aber das soll jetzt erstmal egal sein. geht eh allen Studis, die ein wenig was in der Birne haben, gleich.
    Also, geben Sie dem System was es haben will und nehmen Sie sich dafür danach das Dipl.!!
    Viel Erfolg!!

  7. 7 gela

    hallo frauS,
    mir gefällt die vorstellung von der letzten fleißarbeit. ihr freund hat wohl recht. mehr ist das ja eh nicht und später interessiert sich auch keiner mehr dafür. danke für den tip! erschreckend finde ich eher, daß alles sagen, die situation wird sich nach dem abschluß aber auch nicht verändern. man fällt dann noch mal in so ein loch. wird mir sicher auch so gehen, weil ich mich viel zu schlecht ausgebildet fühle, dennoch freue ich mich total darauf die uni hinter mir zu lassen. habe durch das neue seminar auch einen großen anschub bekommen. hoffentlich hält das noch ne weile vor. viele grüße, gela

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