in vielen museen ist es üblich ein dokument als pfand für das audiogerät zu hinterlassen. wir machen das nicht aus reiner schikane, sondern weil die dinger inzwischen so klein geworden sind, daß die leute manchmal vergessen sie wieder abzugeben.
den meisten besuchern macht es nichts aus, sie wundern sich sogar in den museen, wo kein pfand genommen wird wie vertrauensseelig wir sind. andere wiederum flippen bei dem gedanken uns ihr barmerkarte dazulassen völlig aus. mir ist diese panikmache nicht ganz klar. was glauben die leute denn, was ich mit ihren pfändern mache? schnell zum arzt rennen und mich als kurt meierheinrich, alter 67 ausgeben, um auf seine kosten an ein paar medikamente ranzukommen? lächerlich!
noch viel schwerer als ein dokument zu kriegen ist es, am ende von den besuchern die pfandkarte zurückzubekommen. die gegebenen ausweise werden in einem ordner einsortiert. jedes fach hat eine karte mit der entsprechenden nummer drauf, die wir im austausch gegen den pfand rausgeben. nur so können wir bei den vielen dokumenten einen überblick behalten. kommt der besucher mit dem gerät zu mir zurück, bitte ich ihn mit die pfandkarte zu geben, damit ich sein dokument raussuchen kann. an dem punkt geht der spaß meist richtig los.
besucher (im befehlston):
ich kriege noch meine barmerkarte wieder. meierheinrich, kurt.
ich (wie immer freundlich):
ich bräuchte dann die pfandkarte von ihnen.
besucher:
welche karte?
ich:
ich habe ihnen vorhin im austausch eine grüne plastekarte mit einer nummer drauf gegeben. die bräuchte ich, um ihr dokument rauszusuchen.
besucher:
hab ich nie bekommen!
ich:
ganz sicher! würden sie bitte mal in ihrer brieftasche nachschauen! meist steckt die karte dort, wo sie den pfand rausgenommen haben.
besucher:ich brauche nicht nachzuschauen. ich sage ihnen doch, daß sie mir nichts gegeben haben.
er ruft zu seiner frau rüber:
marianne, kannst du dich erinnern, daß die dame hier mir eine karte oder sowas gegeben hat? sehen sie, sie kann sich auch nicht erinnern. also geben sie mir jetzt meine karte!
ich:
ich bin mir vollkommen sicher, auch ihnen eine pfandkarte gegeben zu haben. wären sie bitte so nett und sehen trotzdem mal in ihrer tasche nach?
besucher (inzwischen sehr wütend):sie wollen mir erzählen, was ich eingesteckt habe? da hört sich doch alles auf! ich will sofort meine karte zurück! es ist überhaupt schon eine frechheit, daß ich etwas abgeben mußte. ja, glauben sie denn ich klaue? wollen sie mir das unterstellen?
ich (lächelnd, aber blöder sack denkend):alles was ich möchte, ist ihnen ihren pfand wieder zurück geben. sollten sie die pfandkarte nicht finden, bräuchte ich ihren personalausweis, um den pfand raussuchen zu können.
besucher (überheblich):
na, dann tun sie ja nun doch endlich mal was für ihr geld!
beim öffnen der brieftasche und ausweisraussuchen fällt die grüne pfandkarte auf den tresen. er registriert das, sagt nichts, gibt mir aber auch seinen ausweis nicht. schließlich kann ich ja die barmerkarte nun anhand der nummer im ordner suchen. innerlich fluchend gebe ich im die karte, wohlwissend jetzt den mund halten zu müßen, sonst eskaliert das ganze und herr meierheinrich springt mir vor wut über die bloßstellung über den tresen.
natürlich läuft es nicht immer so schlimm ab. ich habe von einer kollegin gehört, daß ihr ein mann, mit dem sie vorher böse diskutiert hatte schokolade aus dem museumscafe als entschuldigung an den stand brachte. das ist schon viel mehr, als ich inzwischen von den leuten erwarte. die meisten kriegen ja nicht mal ein tut mir leid über die lippen, sondern rauschen einfach wütend davon.
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