menschen im museum

nicht zum ersten mal lese ich ich in anderen blogs darüber, daß jemand die audioguides benutzt, die ich jeden tag an die leute rausgebe. diesmal wars phoebe in hamburg bei der caspar david friedrich austellung. schon witzig, besonders wenn ich bei flickr fotos ausm pergamon finde, wo leute mit guide drauf sind. wahrscheinlich hab ich ihnen das gerät dann noch gegeben.

oma zittau

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ich weiß nicht viel über das leben meiner großmutter. alles was ich habe sind kindheitserinnerungen und berichte meiner eltern.
solange ich sie bewußt kannte hatte sie eine schwache form von alzheimer. ständig suchte sie ihre zähne und meinte immer wir kinder hätten sie die toilette runtergespült. tatsächlich brauchte man nur in der sesselritze zu suchen und dort fand man das gebiß fast immer. ich fand das lustig. ebenso die minütlich wiederkehrende suche nach dem riesigen haustürschlüssel.
für uns kinder war sie eine wunderbare oma. wir nannten sie komischer weise immer oma zittau nach dem ort in dem sie lebte, nie oma elli.
sie konnte unglaubliche sachen stricken. jeder von uns vieren hatte einen dicken pullover für den winter. den trugen wir über allen anderen sachen, wenn wir rodeln gingen. ebenso die mütze aus der nur das gesicht rausguckte mit langem bommel hinten dran.
den winter verbrachte sie meist bei uns im norden. für meine eltern war das manchmal eine schwierige zeit. ich bin nicht ganz sicher, ob sie meine mutter jemals richtig als die frau ihres sohnes akzeptiert hat. im sommer fuhren wir alle mit unseren trabant runter in den süden. acht stunden brauchten wir für die fahrt. heute fragt man sich wie wir alle kinder ins auto bekamen. eines von uns lag meist auf der oberen ablagefläche des kombis. obwohl ich schon sehr lange nicht mehr in zittau war sind mir die straßen und wege vollkommen im gedächtnis.
den letzen sommer verbrachte ich nachdem meine eltern mit meiner jüngeren schwester abgereist waren mit ihr allein. sie hatte jeden tag große probleme sich zu erinnern wer ich war. meist verwechselte sie mich mit anderen familienmitgliedern, die in ihrer erinnerung mein alter hatten. mit dreizehn war ich ihrer immer schlimmer werdenden krankheit nicht gewachsen. ich konnte mit den sehr bösartigen anschuldigungen meinen eltern gegenüber nicht umgehen. wir haben oft gestritten. einmal schrie ich sie an, sie soll die klappe halten. am nächsten tag wußte sie nichts mehr davon. ich habe mich jahrelang furchtbar dafür geschämt.
als sie ein risiko für sich selbst wurde holten meine eltern sie zu uns in den norden. sie hatte ein zimmer im altersheim unseres ortes wo wir sie besuchen konnten. jedes wochenende schlief sie bei uns. irgendwann ging auch das nicht mehr. die ganze nacht über wanderte sie durch die wohnung und suchte nach uns vieren als babys.
sie starb 1997. ich gab mich am telefon als meine mutter aus, damit der arzt mir sagte was los sei. ich mußte mehrmals nachfragen, als er sagte sie sei nun eingeschlafen, weil ich nicht verstand. meine schwester sah mich irritiert an und übernahm dann den hörer, um ihm die nummer unter der unsere eltern zu erreichen waren zu geben. ich saß im schlafzimmer auf dem boden und weinte.
heute wäre sie 100 jahre alt geworden. beim schreiben weine ich noch immer. sie fehlt mir sehr, selbst nach zehn jahren.

nipples in the window

schon vor einiger zeit ist dem herzmann und mir etwas seltsames in den schaufenstern dieser welt aufgefallen. brustwarzen! so profan es sich anhört aber sämtlichen schaufensterpuppen wachsen seit geraumer zeit überdimensionale nippel. mir ist nicht klar zu welchen resultaten das führen soll. ich fühle mich durch eine oder auch zwei stehende brustwarzen keinesfalls dazu animiert das ausgestellte shirt zu kaufen. ist es überhaupt nötig puppen mit brustwarzen zu produzieren? das bringt mich auf die idee demnächst nach primären geschlechtsmerkmalen bei männlichen puppen zu suchen. könnte wetten die gibt es nicht! ich fordere gleichberechtigung in den schaufenstern! zur demonstration haben wir bei flickr eine gruppe eröffnet. jeder, der ein besonders schönes paar nippel in der auslage findet kann das bild dort reinstellen. ländervergleiche würden mich interessieren. kann man darüber eine diplomarbeit schreiben?

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der kampf um die pfandkarte

in vielen museen ist es üblich ein dokument als pfand für das audiogerät zu hinterlassen. wir machen das nicht aus reiner schikane, sondern weil die dinger inzwischen so klein geworden sind, daß die leute manchmal vergessen sie wieder abzugeben.
den meisten besuchern macht es nichts aus, sie wundern sich sogar in den museen, wo kein pfand genommen wird wie vertrauensseelig wir sind. andere wiederum flippen bei dem gedanken uns ihr barmerkarte dazulassen völlig aus. mir ist diese panikmache nicht ganz klar. was glauben die leute denn, was ich mit ihren pfändern mache? schnell zum arzt rennen und mich als kurt meierheinrich, alter 67 ausgeben, um auf seine kosten an ein paar medikamente ranzukommen? lächerlich!
noch viel schwerer als ein dokument zu kriegen ist es, am ende von den besuchern die pfandkarte zurückzubekommen. die gegebenen ausweise werden in einem ordner einsortiert. jedes fach hat eine karte mit der entsprechenden nummer drauf, die wir im austausch gegen den pfand rausgeben. nur so können wir bei den vielen dokumenten einen überblick behalten. kommt der besucher mit dem gerät zu mir zurück, bitte ich ihn mit die pfandkarte zu geben, damit ich sein dokument raussuchen kann. an dem punkt geht der spaß meist richtig los.

besucher (im befehlston):

ich kriege noch meine barmerkarte wieder. meierheinrich, kurt.

ich (wie immer freundlich):

ich bräuchte dann die pfandkarte von ihnen.

besucher:

welche karte?

ich:

ich habe ihnen vorhin im austausch eine grüne plastekarte mit einer nummer drauf gegeben. die bräuchte ich, um ihr dokument rauszusuchen.

besucher:

hab ich nie bekommen!

ich:

ganz sicher! würden sie bitte mal in ihrer brieftasche nachschauen! meist steckt die karte dort, wo sie den pfand rausgenommen haben.

besucher:

ich brauche nicht nachzuschauen. ich sage ihnen doch, daß sie mir nichts gegeben haben.

er ruft zu seiner frau rüber:

marianne, kannst du dich erinnern, daß die dame hier mir eine karte oder sowas gegeben hat? sehen sie, sie kann sich auch nicht erinnern. also geben sie mir jetzt meine karte!

ich:

ich bin mir vollkommen sicher, auch ihnen eine pfandkarte gegeben zu haben. wären sie bitte so nett und sehen trotzdem mal in ihrer tasche nach?

besucher (inzwischen sehr wütend):

sie wollen mir erzählen, was ich eingesteckt habe? da hört sich doch alles auf! ich will sofort meine karte zurück! es ist überhaupt schon eine frechheit, daß ich etwas abgeben mußte. ja, glauben sie denn ich klaue? wollen sie mir das unterstellen?

ich (lächelnd, aber blöder sack denkend):

alles was ich möchte, ist ihnen ihren pfand wieder zurück geben. sollten sie die pfandkarte nicht finden, bräuchte ich ihren personalausweis, um den pfand raussuchen zu können.

besucher (überheblich):

na, dann tun sie ja nun doch endlich mal was für ihr geld!

beim öffnen der brieftasche und ausweisraussuchen fällt die grüne pfandkarte auf den tresen. er registriert das, sagt nichts, gibt mir aber auch seinen ausweis nicht. schließlich kann ich ja die barmerkarte nun anhand der nummer im ordner suchen. innerlich fluchend gebe ich im die karte, wohlwissend jetzt den mund halten zu müßen, sonst eskaliert das ganze und herr meierheinrich springt mir vor wut über die bloßstellung über den tresen.
natürlich läuft es nicht immer so schlimm ab. ich habe von einer kollegin gehört, daß ihr ein mann, mit dem sie vorher böse diskutiert hatte schokolade aus dem museumscafe als entschuldigung an den stand brachte. das ist schon viel mehr, als ich inzwischen von den leuten erwarte. die meisten kriegen ja nicht mal ein tut mir leid über die lippen, sondern rauschen einfach wütend davon.

to do 2007 (zufällige reihenfolge)

  • praktikumsarbeit schreiben
  • neue ausweise beantragen
  • diplomarbeit bearbeiten
  • um die ganze handygeschichte kümmern
  • neuen hausarzt suchen
  • ebenso hautarzt
  • studienbuchseiten schreiben
  • nach wien ziehen
  • schwanger werden
  • scheine von den dozenten einsammeln
  • diplomarbeit anmelden
  • steuererklärung machen