vorbei

so normal der baby blues auch ist, daran ist nichts schönes. ich schreib trotzdem mal was dazu.

ich heulte eine woche lang. von sonntag zu sonntag. erst nur nachts, danach auch tagsüber.
ein krankenhaus ist ein schlechter ort um eine doch eher traumatische erfahrung zu verarbeiten. ich hatte einen notkaiserschnitt. nachdem die fruchtblase am donnerstag eingerissen, aber nicht geplatzt war mußte ich in der klinik bleiben. über nacht dann wehen, aber alles halb so wild. am freitag morgen gab man mir im kreißsaal ein homöopathisches mittel, um die wehentätigkeit voranzutreiben. bei einer angerissenen fruchtblase kann es zu infektionen kommen und deshalb wollte man nicht zu lange mit der geburt warten. war mir recht! die niedrigste dosis des mittels schlug gleich an. ich atmete schön in mich hinein, aber die wehen waren da schon so heftig, dass ich eine pda bekam. von da an war alles gut. ich war unglaublich entspannt. eine wehe? ach da atme ich nicht mal mehr anders als sonst.
mein muttermund war erst vier cm offen. die hebamme beteuerte mir es würde noch ne ganze weile dauern. ich schickte also den herzmann noch mal nach hause, um die kamera zu holen. kann ja nicht angehen, dass die ersten fotos unseres kindes profan mit dem handy gemacht werden. er kam nicht weit, denn inzwischen drehte man das mittel auf die nächste stufe.
irgendwann meinte die hebamme nämlich sie ruft mal den arzt. warum, wurde mir nicht gesagt. auch nicht, was sich aus seiner meinung ergeben könnte, sonst hätte ich den ehemann schon früher zurückgerufen. der arzt schaute zweimal in zehn minuten auf das ctg und meinte dann: die herztöne sehen irgendwie suspekt aus, wir machen jetzt nen kaiserschnitt!
dann ging alles sehr schnell. man spritzte mir etwas, dass mein herz zum rasen brachte. ich war gerade noch fähig den herzmann anzurufen. du mußt sofort kommen! kein wieso und weshalb, denn zu mehr war ich nicht fähig, weil der schock dann die kontrolle übernahm. ich begann zu zittern und zu weinen, weil ich fürchterliche angst hatte. mir war klar, dass sie nur das beste für uns tun, aber die geschwindigkeit in der alles ablief, war erschreckend.
ich wurde zum den op gerollt. jeder schwester auf dem weg sagte ich, sie sollen meinem mann sagen wo ich bin. keine ahnung, ob die mich überhaupt noch verstanden haben. sie lächelten aber alle. die zivis, die mich hinbrachten erzählten mir zur aufmunterung von den geburten ihrer kinder.
im op angekommen wurde ich festgeschnallt und betäubt. dann ging das warten und die diskussionen los. ständig wurde ich von drei verschiedenen leuten in den bauch gekniffen und sollte nun jedem sagen, ob das weh tut. das problem war, dass sie alle gleichzeitig fragten und ich leicht überfordert war. jemand sagte der ehemann sei draußen, aber es wäre jetzt zu spät. sie könnten nicht mehr warten, bis er steril wäre. ich war froh, dass er überhaupt in der nähe war.
sie begannen zu schneiden, zu schieben und zu drücken. ich atmete wieder in mich rein und sagte mir mantramäßig es würde alles gut werden. irgendwer hielt meine hand. dann kommt ein moment in dem man merkt das ist es jetzt. das ist die geburt meines kindes.. jemand drückte, jemand zerrte, dann schrie das kind. von allen seiten kamen glückwünsche und ich heulte hemmungslos vor erleichterung.
es dauerte ne weile bis man ihn mir zeigte und selbst dann konnte ich wegen meiner atemmaske und weil er so eingewickelt war kaum was sehen. es ging ihm gut. der herzmann trug ihn zurück zur station und brachte ihn mir ans bett, als ich wieder in meinem zimmer war.
peter verschlief die ersten zwei tage, was gut für ihn war, denn ich hätte nichts mit ihm anzufangen gewußt. ich konnte mich kaum bewegen und war auch geistig nicht immer ganz bei mir. natürlich war ich glücklich, aber eben auch überfordert.
nach zwei tagen heulte ich das erste mal nachts, damit die nachbarin nichts mitbekam. danach sobald ich mal in den raus in den klinikpark kam. wohin soll man auch gehen in einem spital? in den frühstücksraum? ich gab dem kind die schuld für meine schmerzen. war entnervt, wenn er nachts schrie und stellte mir vor einfach wegzugehen und ihn dazulassen. ich dachte mit der entlassung würde es besser, aber so wars nicht. freunde und bekannte zu treffen war gut, aber sobald ich mit mir allein war konnte ich nur heulen. auf der straße hielt ich mich mit gedankenspielen über wasser. die frau hat eine rote tasche, die einen beutel, deren tasche ist aus leder usw. ich stellte mir vor das kind fallen zu lassen. mit dem bewußtsein es nie absichtlich zu tun, aber ich dachte darüber nach. ich wollte mich auch scheiden lassen und das kind beim ehemann lassen. ich war einfach überfordert von der großen verantwortung, die ich jetzt für peter hatte.
seit sonntag ist es schlagartig besser. ich stehe nicht mehr hasserfüllt nachts zum stillen auf. müde jetzt, aber glücklich darüber, dass ich meinem kind nichts antun will.
körperlich gehts mir sehr gut. ich bin erstaunt, wie schnell mein körper die operation verarbeitet. mein bauch ist weg, ich bin dünner als je zuvor und die narbe tut kaum mehr weh. ich kann dinge tun wie auf dem bauch schlafen, obwohl, da sind jetzt die riesen brüste im weg. irgendwas ist ja immer :)

8 Kommentare

  1. ach, liebe frau niepi, das tut mir sehr leid dass das alles so traumatisch war. ich habe so an dich gedacht als ich hörte, dass es los geht!

    ich wollte den baby-blues auch nicht banalisieren mit meinem letzen kommentar!! das ist natürlich furchtbar und dass es normal ist, hilft einem in dem augenblick natürlich nicht weiter.

    ich wünsche euch, dass der blues jetzt endgültig vorbei ist und ihr ab sofort eine sehr schöne zeit zusammen habt, du und der peter. viel spaß beim gegenseitigen kennenlernen :-)

  2. uiuiui… ja, so ne geburt ist nichts was man sich in irgendeiner weise vorstellen kann, wenn man es nicht schon einmal erlebt hat… obwohl es bei mir verhältnismäßig unkompliziert und vor allem schnell vonstatten ging, kann ich nicht behaupten, dass ich besonders erpicht auf eine baldige wiederholung dieses ereignisses bin (auch wenn es irgendwann vielleicht doch dazu kommen wird).
    ich hoffe für dich, dass du den baby blues jetzt einigermaßen überstanden hast. aber mach dir keine sorgen, wenn du immer wieder mal etwas nah am wasser gebaut bist. ich glaube, das gehört einfach dazu. von einen tag auf den nächsten mutter (oder vater) zu sein, fordert einen einfach extrem. am schlimmsten ist das immer dann, wenn etwas noch nicht dagewesenes auftritt und das bisschen “alltag” und “gewohnheit”, das man sich gerade aufgebaut hat, vollkommen durcheinanderwirft. (z.b. wenn das kind sich auf enmal einfach weigert aus einer brust zu trinken und du deswegen einen milchstau samt fieber bekommst…)
    ich finde es immer tröstend, zu hören, dass man nicht allein ist mit seinen problemen.
    also: wenn mal wieder irgendwas ist, melde dich!!!

  3. @ lillian, du hast da gar nichts banalisiert. keine sorge! ich glaube allerdings wirklich, dass es jetzt vorbei ist. wie kann etwas, was einen so einnimmt von heute auf morgen verschwinden? das läßt das ganze leider im nachhinein banal und übertrieben aussehen.
    @ cate: was einen nicht umbringt….:)
    @ frau l.: ich freu mich , dass es bei euch so gut gelaufen ist. während meiner zeit im spital hab ich nur von langen und komplizierten geburten gehört. ich traf nicht eine frau mit ner relativ normalen geburt. sturzgeburt (30 minuten) mit anschließender op, weil alles gerissen war. oder zwei tage lang schlimme wehen, was den muttermund nicht interessierte …
    und zu sagenumwobenen thema stillen muß ich demnächst auch noch mal was schreiben

  4. Bei uns war es nicht genau gleich, aber gewisse Parallelen sind vorhanden: Am Abend bat mich meine Frau darum, vorsorglich mal in die Klinik zu fahren. Mit einer Geburt rechnete aber niemand fünf Wochen vor dem Termin. In der Klinik angekommen, wurden die Wehen dann stärker. In der Uniklinik Tübingen, wo wir fahren, sind auch diverse Hebammenschülerinnen am Werk. Zunächst mal wurde meine Frau von einer solchen auf die Pritsche gelegt und ein CTG gemacht bzw. versucht. Die gute Dame hatte allerdings erhebliche Schwierigkeiten, den Herzton zu finden. Nachdem sie nach ein paar Minuten immer noch keinen Erfolg hatte, geriet sie in Panik und zitierte schnell einen Arzt und eine fertig ausgebildete Hebamme herbei. Man kann sich vorstellen wie wir uns in diesem Moment gefühlt haben. Kein Herzton! Die Hebamme hatte schließlich nach ein paar Sekunden Erfolg. Die Schülerin hatte das Herz an der falschen Stelle gesucht. Warum erfuhren wir dann sehr schnell beim Ultraschall, der vom Arzt durchgeführt wurde. Unser guter Patrick lag nämlich quer. Meine Frau hatte in diesem Moment nur relativ leichte Wehen, so dass der Arzt noch recht gelassen versuchte, das Baby zu drehen. Dies gelang zunächst auch, allerdings hatte Patrick dann seine Hände über den Kopf gehalten, was einer natürlichen Geburt auch nicht gerade förderlich war. Zwischendurch überprüfte die Hebamme mal den Zustand des Muttermundes und stellte entsetzt fest, dass dieser bereits 10cm weit offen war. Von einer Sekunde auf die andere änderte sich die Stimmung im Raum dann sehr schnell. Es waren innerhalb kürzester Zeit jede Menge Schwestern und Ärzte im Zimmer. Unserem Sohnemann fiel kurz nach der Untersuchung des Muttermundes auch nichts Besseres ein, als sich wieder quer zu legen. Also wurde kurzfristig ein Kaiserschnitt anberaumt. Da es schnell gehen musste, weil es die Fruchtblase wohl nicht mehr lange gemacht hätte, fand dieser unter Vollnarkose statt.

    Mir sagte man, ich könnte beim Kaiserschnitt dabei sein. Also zwängte ich meinen nicht ganz durchtrainierten Körper in die grüne OP-Kleidung. Als ich diese endlich an hatte, sagte man mir ich dürfte doch nicht in den OP. Also wieder normale Kleidung angezogen. Kaum war ich auf dem Gang im Kraißsaal zurück, fragte mich die Kinderärztin entgeistert, warum ich nicht umgezogen sei. Ich wolle doch schließlich bestimmt mein Kind gleich sehen. Also wieder Kommando zurück und wieder die grünen Klamotten angezogen. Der Raum, wo die Erstversorgung des Babys durchgeführt wurde, war nur durch eine Glastür vom OP getrennt. So konnte ich dann doch noch beobachten wie mehrere Personen darin mit blutverschmierten Handschuhen und OP-Klamotten darin zugange waren. Ehrlich gesagt war ich dann doch nicht so unglücklich, nicht dabei gewesen zu sein. Wenn meine Frau im Land der Träume ist, hätte ich sie ohnehin nicht moralisch unterstützen können. Außerdem fange ich schon an zu zittern, wenn ich nur den Bohrer beim Zahnarzt sehe.

    Zum Glück ist dann alles gut gegangen. Es war aber ein Tag, den ich den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen werde.

  5. Liebe G.,
    ich soll Dir von M. sagen, dass sie fast genau die gleichen Gedanken hatte, nachdem M. geboren war. Sie war froh, sie dann doch nicht fallen gelassen zu haben!
    Sie meinte, Du könntest doch Euren Kronsohn einfach in die “Besuchsritze” zwischen Euch legen während der absoluten Nachtschlafstunden (hoch an das Kopfende schieben, mit eigenem Zudeck versehen) und so wäre es dann ganz leicht, ihn zu stillen und dann wieder hin zu legen. So müsstest Du nicht raus …
    Nun ja, sicher hast Du inzwischen schon Deinen Rhythmus gefunden. Nach immerhin 11 Tagen hat man schon viel mehr im Griff!!!
    Ganz liebe Grüße von uns und eine Post an Euch ist unterwegs seit Mo.
    Die liebe T.G. (;-) nebst M&M !

  6. Liebe Gela,

    wie gut, dass du darüber schreiben kannst, natürlich kenne ich auch das “Tal der Tränen” und die guten Ratschläge der anderen … :-(
    Mit unseren Müttern und Omas haben wir ja Vorbilder, die immer Stärke gezeigt haben, da kommt man schon manchmal ins Grübeln. Ich habe ein Gedicht, das mich in schwierigen Zeiten aufgebaut hat:

    Neue Kräfte …

    Es gibt Situationen in unserem Leben,
    in denen wir uns
    verletzt und einsam fühlen …

    Aber ich glaube,
    dass diese Zeiten,
    in denen wir ziellos umherirren
    und alles um uns herum zu zerbrechen scheint,
    eigentlich eine Herausforderung für uns sind.

    Wir versuchen verzweifelt
    an der Sicherheit der Vergangenheit festzuhalten,
    aber ganz unwillkürlich …

    überwinden wir alle Probleme
    und erlangen ein neues Verständnis,
    ein neues Bewusstsein und neue Kräfte.

    Es ist fast so,
    als müssten wir diesen Schmerz
    und disen Kampf durchmachen,
    um zu wachsen
    und neue Höhen zu erreichen.

    So wenig und so viel für heute … und neue Kräfte für euch drei !!!

    Wir wissen, dass ihr das bravourös packen werdet.

    Seid umarmt von Sanne § Co

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