heute vor zwei monaten machte ein arzt aus mir eine frau mit kind. das dauerte keine zehn minuten. um mutter zu werden brauchte ich ein wenig länger. wochen hat es gedauert und selbst jetzt fühle ich mich zwischen anderen müttern oft deplatziert. ich kann selten mitreden oder besser will auch nicht, wenn es um die farbe seines windelinhalts geht und was sie zu bedeuten hat. ich scheine wenige muttertypische eigenschaften zu entwickeln. ich kontrolliere zum beispiel peters gewicht nie, denn er wird ja alle paar wochen bei der ärztin gewogen. außerdem sieht er rund und glücklich aus, was soll also diese panik.
ich hab das kinderzimmer noch immer nicht fertig, obwohl er (und jetzt sehe ich die babygruppenmütter gemeinsam die köpfe schütteln) schon seit wochen allein darin schläft.
ich habe keine fotos von ihm dabei (meist hab ich ihn ja eh in natura bei mir) und ich antworte auf die frage, wie es mir denn ginge nicht, der lütte hat das und das also gehts mir so oder so.
ich gehe eher aus pflichtbewußtsein zu meiner babygruppe, nicht weil es spaß macht oder ich denke, es würde mir was bringen. jede woche sollen wir eine erziehungsfrage stellen, die uns beschäftigt. ich hab nie eine und muß mir dann immer was aus den fingern saugen. ich würde lieber wissen wollen, ob nicht irgendwer lust hat mit ins freibad zu gehen, damit ich endlich auch mal wieder schwimmen kann, während die andere mutter die kinder hütet und andersherum.
generell bin ich der meinung, dass viele frauen zu viel in ihre neugeborenen reininterpretieren. man wäre überrascht, was ein sechs wochen altes baby laut der mutter für charakterzüge hat. na gut, denke ich dann. mein kind hat bisher gerade mal folgende sehr babytypische eigenschaften:
peter hat alle vier stunden hunger (pünktlich wie ein deutscher). spätestens eine halbe stunde danach ist er so fertig vom sehen und hören, dass er ruhe braucht. jetzt sehe ich babygruppenmütter vor mir, bei denen ich mir sicher bin, dass ihr kind nicht annähernd so viel schreien würde, wenn sie es nicht ständig mit irgendetwas beschäftigen würden.
er kämpft wie wohl fast jedes kind oft gegen das einschlafen an, weil er vielleicht mehr sehen will oder zu viel gesehen hat.
er schmust gern und wird natürlich gern massiert. er erkennt seinen vater, wenn dieser keine brille trägt schlecht. ist die brille da kann er sie unendlich lange betrachten.
er mag es, wenn seine eltern faxen machen und ihm vorsingen aber auch das (und das ist ganz normal) überfordert ihn nach einer weile.
er hat meine augen und hände. die nase und füße vom vater. ebenso das eine knickohr, was nun schon in dritter generation weitervererbt wurde.
er schläft oft stundenlang, es sei denn er hat bauchschmerzen. ansonsten ist er sehr gelassen und lächelt vor sich hin.
Wie häufig, wenn es um Dich als Mutter geht, ist auch das wieder ein Text, der mich erstarren läßt. Ein klein wenig geschockt von dieser unglaublichen Direktheit, Ehrlichkeit und Offenheit. Ein wenig komme ich mir vor wie jemand, der etwas gesehen hat, was er nicht wissen sollte. Und trotzdem bin ich froh, denn es ist ein schöer Text, es ist so viel von dem, wie ich Dich kenne und was ich an Dir schätze darin und insgesamt bleibe ich beruhigt zurück, denn Du scheinst Deine Bodenhaftung weiterhin zu behalten und Dich nicht durch Peters Geburt aus der Bahn werfen zu lassen, gerade, weil es so akzeptiert ist und normal zu sein scheint, daß Frauen nach der Mutterwerdung dazu neigen, ihre Persönlichkeit aufzugeben.
Gruessli!
das mit der erschreckenden offenheit hat mir gestern auch jemand gesagt. ich selbst empfinde das gar nicht so. es gibt gott sei dank genügend dinge, die mir zu heikel zum posten sind. bei anderen themen denke ich, dass ich mich freuen würde auf blogs darüber zu lesen. das sind mehr entwickungen oder prozesse über die ich mir öffentlich gedanken mache. es ist ein wenig befreiend nicht im stillen kämmerlein darüber nachzugrübeln, sondern es in worte zu fassen.
fast alle leser sind alte bekannte. von den stillen lesern weiß ich nichts, ich schau auch nie wie viele hier mitlesen. und die, die selbst blogger sind und sich zu erkennen geben finde ich allesamt toll. allerdings würde ich sie auch nie auf der straße erkennen, auch wenn ich ihre fotos kenne. ich glaube eben auch nicht, dass mich schon mal jemand als frauniepi, die bloggerin auf der strasse erkannt hat. deshalb fühle ich mich noch immer als ziemlich anonym und kann über dinge schreiben, die mich tiefer bewegen.
ich hab auch kein problem damit, wenn mich jemand darauf anspricht. das tun ja wenn dann nur leute, die mich persönlich kennen. andere, mit denen ich zu tun habe, erzähle ich oft nichts vom blog. das ist hier eine eingeschworene gemeinschaft
frag doch mal einfach eine der mütter in der runde (die, die dir am wenigsten suspekt erscheint) ob sie nicht mal was unternehmen will. glaub mir: da warten alle drauf.
ich verrate dir jetzt ein insider-mütter-geheimnis: in diese gruppen geht man nämlich nur, wenn einem zu hause selbst die decke auf den kopf fällt und weil man anschluss sucht. und da im normalfall die meisten die man kennt unter tags arbeiten, muss man sich eben jemanden suchen, der auch zeit hat. was dann wieder mütter wären.
und wenn sie nein sagt, dann ist sie einfach blöd.
Und wiedereinmal hat die Nachtreise mich in verschriftlichter Form beeindrukt: Drei kurze, präziese, inhaltsvolle Sätze zur Einleitung und dann einen fünfzeiligen Schachtelsatz dem man dies nicht zum Vorwurf machen kann!
Und auch dem Inhalt kann ich beipflichten. Ich bin ja immernoch beeindruckt von den ich-will-einen-Peter-Ausführungen von ‘damals’.
Ansonsten: Hört ich doch alles super an!
Was für ein sympathischer Text. Mein größtes Problem mit den Müttern in meinem Bekanntenkreis ist ja, dass die Mama-Hormone offensichtlich irgendwas ungutes mit dem Hirn anstellen (sorry). Du scheinst nicht dazu zu gehören. Ich finde es super, dass du viele Dinge so pragmatisch siehst. Ich glaube, wäre ich eine Mutter, dann wäre ich wie du. Ich denke bei mir so vielen Müttern so oft: Also das würde ich ganz sicher nicht so machen. Am schlimmsten finde ich diese Manie, dass ein Kind nie schreien darf. Ich rede hier nicht davon das Kind eine Nacht lang durchschreien zu lassen. Aber andererseits, wie soll das Kind lernen selbständig durchzuschlafen, wenn es gewohnt ist dass die Mama bei jedem Piep neben dem Bett steht? Hm, du siehst schon, ich könnte da ewig drüber schreiben. Vielleicht mal ein Thema für einen Post in meinem Blog
PS: Peter sieht in der Tat sehr glücklich aus
Gibts schon Neuigkeiten in Sachen Berlinbesuch? Immerhin bin ich inzwischen rasend gespannt auf Peter, das kleine Prachstück!
..und wir erstmal!!!
(zumal sich Rosa schon intensiv mit Jungs beschäftigt… aber hallo… da wird mit dem kleinen Luca Händchen gehalten, da wird dem kleinen Lennart die kalte Schulter gezeigt… alle Tricks, und das mit 3 Monaten!!!)
na, wenn piet erstmal sein zahnloses grinsen zeigt, ist sie eh hin und weg. das wird ne distanzbeziehung!
rosa und peter verliefen sich im wald …
Klingt doch romantisch… nur das mit dem “verliefen” bezweifle ich noch… selbst “verkrabbeln” oder “verrobben” ist noch nicht wirklich aktuell… “verstrampeln” wäre zur zeit das Maximum. O, und zum Thema “hin und weg” habe ich auch einen Beitrag für Euch parat: einfach “Herr B.” anklicken!!!