schon beim aufwachen merke ich, dass heute ein blöder tag wird. es ist grau in wien. unglaublich grau. gibt es irgendeine stadt die schön ist im häßlichen herbst?
solche tage bringen alles hervor, was man sonst erfolgreich wegschiebt. mir hängt das zweite stück kuchen zum frühstück zum halse raus, aber ich freu mich gleichzeitig schon auf das chilli zum mittag. ein weiteres unbearbeitetes problem. essen, shoppen, trinken als als kompensator. ich könnte stattdessen lesen, was nähen, dinge organisieren, aber es führt letztendlich alles auf das eine unausweichliche thema raus. ich schreibe keine diplomarbeit.
ich schreibe keine diplomarbeit, weil ich mich inkompetent fühle. ein wirklich abgeschlossenes studium zu haben bedeutet sich tatsächlich in dem bereich bewerben zu müssen und was soll ich denen denn erzählen? dass ich die uni gehaßt habe? dass ich mir manchmal am selben tag gleichzeitig zu dumm und zu intelligent vorkam? dass ich keine ahnung von diesem berufsfeld habe? natürlich werde ich das nicht erzählen, nur wie erkläre ich die nicht vorhandene joberfahrung in meinem alter? ich habe unendlich viele erfahrungen in anderen jobs gesammelt. das deprimiert mich ebenso. nichtssagende, anspruchslose jobs.
ich bin ohne jeden ehrgeiz. ich habe keine ziele. jedenfalls nichts berufliches. das sollte nicht so sein.
edit: ich hab den halben tag gebraucht diesen post zu schreiben. natürlich fühle ich mich jetzt schon wieder anders, aber ich lasse es so stehen.
ja, das kenne ich, das ist aber das wetter
so fühle ich mich zur zeit auch oft
was kann man dagegen tun?
ich hake im moment stur alles ab, was zu erledigen ist und so stellt sich am ende des tages so etwas wie ein kleines erfolgserlebnis ein
ich bin übrigens auch eine deutsche in wien mit kind
Was soll ich Dir schreiben, wir sind in dieser Hinsicht Schwestern im Geiste!
der Arbeistmarkt wartet nicht wirklich auf uns - daher nimm Dir einfach soviel Zeit, wie Du brauchst und Stress Dich nicht! Genieß die Zeit mit Kind und Kegel, es kommt, wenn es kommen will! Es gibt einen gewissen Druck von außen, den will ich hier nicht verleugnen, aber das ist Dein Leben (euer Leben)! Es ist natürlich immer ein bischen schade, um das was man ja trotz großer Schwierigkeiten bei der Studiererei schon geschafft hat, bietet sich Dir aber eine Alternative, die diese Arbeit nicht nötig macht, dann lass es einfach!
LG Anne
komm doch mal mit mir zu einem vortrag über das verfassen von wissenschaftlichen arbeiten/diplomarbeiten mit. die uni und diverse andere institutionen bieten sowas immer wieder an.
ich war heut morgen bei dem vortrag in der ersten bank, von dem ich dir letzte woche erzählt hatte, und es wurden viele generelle fragen geklärt (umfang, struktur, wie findet man betreuer und thema, literatur, rechtliche seite etc. etc.).
der “angstmachende brummer” diplomarbeit wurde etwas in seine schranken gewiesen und hat konkretere konturen angenommen.
ich weiß, dass ich sowieso viel mehr motivation zum schreiben meiner diplomarbeit habe als du, aber vielleicht bekommst du ja einen motivationsschub, das schreiben doch durchzuziehen und dir einen studienabschluss und titel zu erarbeiten.
selbst wenn du später nie in dem bereich deines studiums arbeiten willst und wirst, ist ein titel gerade in ö glaube ich in finanzieller hinsicht bei jedem job von vorteil. zudem ist bei einigen jobs ja nur irgendein studienabschluss gefordert und es ist nicht wichtig, welcher es ist…
Mein bisher Erreichtes:
mehrere begonnene Studien, davon 2 fast abgeschlossen, jetzt wieder ein neues, und keine einzige Diplomarbeit, nicht einmal ansatzweise.
Dafür ist das 2. Kind unterwegs.
Und eine Mutter, die mir erklärt, dass ich doch alles ganz nebenbei schaffen sollte, schließlich arbeite ich ja nicht.
hmpf.
Besser?
Meine herzallerliebste Frau Niepi,
bitte nicht so trübe Gedanken. Mir geht’s gerade ähnlich, versuche mich mit selbstgebackenen Cookies in bessere Laune zu mampfen - klappt nur bedingt!!!
Ach ja und ich arbeite jetzt auch was ganz anderes, als ich studiert habe.
Stress dich nicht!!!
Menno, das kenne ich, das Wissen, noch etwas machen zu müssen. Es sitzt auf den Schultern, gräbt sich in den Nacken und zerrt den Betroffenen tief in den Boden.
Ich erinnere mich noch ganz gut an meine Phase des Trotzes. Die Frage “Wozu das Ganze?” und die tröstenden Beruhigungen meines Gewissens wie etwa, “Studienabbrecher werden sowieso lieber angestellt - haben ein fertiges Studium, nur der Titel fehlt und sind deshalb billiger”, “Ich arbeite doch eh schon und würde dort auch sicher angestellt bleiben.” haben mich aber nicht zufrieden gestellt. Immer war da das Monstergefühl “Ich hab das noch nicht fertig gemacht. Der Abschluss fehlt.” und dann habe ich mich hingesetzt, geschmollt und kindisch zornig in die Tasten getippt. Es war mühsam, so schrecklich mühsam, weil ich mich selbst so dagegen gesträubt, mich aber gleichzeitig dazu gezwungen habe.
Es ist schließlich eine durchschnittliche Magisterarbeit geworden und keine perfekte (so wie ich mir das eigentlich in Gedanken ausgemalt hätte, wenn ich gerade mal nicht wütend vor meinen Büchern und vor meinen PC gesessen bin…). Ich bin fertig mit der Uni.
Mein Job? *g* Den hätte ich wirklich auch gleich nach der Schule annehmen können. Dafür hätte ich kein Studium gebraucht. Auch im Hinblick des Honorars bringt mir mein Titel gar nichts. Aber ich hab es geschafft. Mit mir selbst gekämpft um meinen Abschluss - der Lohn den ich für meine wunderbare Zeit (ich würde sogar behaupten: meine verlängerte Jugend) bezahlen wollte.
Jetzt habe ich ein kleines, süßes Mädchen, einen Job, der es mir ermöglicht, mein Kind so zu betreuen, dass ich mich selbst nicht vollkommen aus den Augen verliere und das Wissen, meine Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Vielleicht motiviert dich das Geschriebene ja ein bisschen, was auf jeden Fall meine Absicht ist. Ich will jetzt keineswegs so rüber kommen, als würde ich Leute, die ihr Studium abbrechen nicht verstehen oder in eine bestimmte Schublade stecken. Das soll schließlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich will damit nur sagen, dass es schon ein gutes Gefühl sein kann…
Ganz liebe Grüße!
danke für die vielen antworten. ihr habt ja alle vollkommen recht. ich bin ständig hin und her gerissen, ob ich das noch machen will oder, ob es eigentlich überhaupt keinen sinn mehr für mich macht und ich einfach darüber wegsehen sollte und was anderes machen. aber wie murmel schreibt, es sitzt mir immmmmmmer im nacken. ich denke ständig daran. mein problem ist noch dieser fehlende ehrgeiz. ich bin nie dazu angehalten worden etwas zu ende zu machen, mich durchzubeißen. ich lege sogar bücher hemmungslos nach ein paar seiten ins regal zurück, wenn ich sie zu blöd finde. ok, das ist nicht das beste beispiel.
Na wenigstens liest Du Bücher. Das kann ich von mir jetzt nicht behaupten.
Meine so eben versante e-mail zum selbsverliebenden Aktionismus wurde beim Lesen dieses Eintrags geboren.
Denn, Frau Niepie, ich könnt dir viele Kompetenzen und Fähigkeiten aufzählen die dich in meinen Augen begehrenswert für den Arbeitsmarkt machen - auch mit 3/4 -Diplom!