familie eins liegt bereits hinter uns, natürlich nicht ohne die typischen weihnachtsnebenwirkungen. festgestellt, dass das kind deshalb nachts so oft wach ist (und ich dann mit ihm), weil ich im gleichen zimmer liege. gut, das allein wäre wohl nicht das problem. ich überlege die ganze zeit, was das kind umtreibt auf einmal so schlecht zu schlafen, als mir aufgeht, es liegt an meinem liebenswerten schnarchen. zimmerwechsel und wir schlafen wieder wunderbar.
nun familie nummer zwei. die pflichtbesuche zum enkel präsentieren beginnen morgen. noch freue ich mich. habe sachertorten en gros mitgebracht. verlegenheitsgeschenke nenne ich sowas.
danach eine woche berlin. keine einzige verabredung bisher getroffen. wunderbar. was nicht heißt, dass ich niemanden sehen will. will jemand? ich will.
wir bleiben in unserem alten kiez. eine ferienwohnung in neukölln, willkommen zurück! und am abend gleich zum city chicken mann. er erkennt uns sicher, wenn auch auf einmal zu dritt.
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positiver stress
für zwei tage nach berlin zu kommen und einen straffen freundetreffplan zu haben strengt an, ist aber gleichzeitig sehr schön. die fröhliche freundin hat mich bei sich aufgenommen, was mir ruhe und entspannung verschafft. den rest der zeit treffe ich einen nach dem anderen und bleibe sportlich fit, weil ich die entfernungen nicht mehr schätzen kann und deshalb immer hektisch zur nächsten u-bahn station renne. ich kann ja überhaupt von glück reden, weil zur zeit nicht gestreikt wird.
neukölln wirkt so viel jünger. wir sind vor jahren hergezogen. damals starrte ich noch jeden studenten, der sich in mein viertel verirrt hatte ungläubig an. bei der zweiten neuköllner wohnung änderte sich das bild schon, weil es, wie es so schön genannt wird kreuzkölln war, also an der ecke zu kreuzberg. die wohnungen auf unserer seite waren einfach billiger und so verschob sich die coolnessgrenze langsam in unsere richtung. kurz bevor wir wegzogen eröffneten bars. richtige bars, keine kneipen. das jansa gibt es noch und auch das ä. beim jansa hatte ich immer angst, dass es gleich wieder schließen müßte, weil ich oft die einzige in der niedlichen kleinen bar war. seit gestern mache ich mir weniger sorgen. ich hab selten so viele junge leute in neukölln gesehen.
jetzt heißt es schon nicht mehr neukölln kommt, sondern neukölln rockt.
und ein letztes mal
und ein letztes mal winken und ich bin raus
zweifach abgenommen
die wohnung ist abgenommen worden. gott sei dank war hausmeister schulze so begeistert davon, dass kleine frauchen (o-ton) so gut renovieren können, dass er die problemstellen übersehen hat.
jetzt fühle ich mich leichter. ist wohl tatsächlich auch so, denn nach gut zwei wochen umzugstress rutscht meine hose. ich wette außerdem, dass in den nächsten 12 stunden, die bisher gut unterdrückte erkältung ausbrechen wird.
ich weigere mich an die nächste renovierung zu denken. jetzt will ich erstmal genießen, dass diese vorbei ist. ich beginne damit erst wieder, wenn der muskelkater weg ist und die blauen flecken an meinem körper verheilt sind.
by heart
feierabend zu haben ist immer toll, besonders wenn an der u-bahn noch ne band für mich und meine erledigten kolleginnen spielt. passiert mir ja ständig!
letzten sonnabend waren es by heart, eine gitarrenlastige gruppe aus stockholm. die musik gefiel mir auf anhieb so gut, dass ich seit etlichen zeiten mal wieder eine cd kaufte.
am 27. märz spielen sie im berliner 103club. ich werd mit den kolleginnen hingehen. die karten kosten unschlagbare 6 euro, wer sich schnell noch auf der website für das konzert anmeldet, zahlt sogar nur drei. da kann man ehrlich gesagt nicht viel falsch machen, auch wenn man die band nicht kennt.
so kann das nichts werden
neukölln ist definitiv zu laut. zwölf uhr belästigen die glocken der kirche nebenan. unser hausmeister und der vom nachbarhaus scheinen sich zum kollektiven laubpusten verabredet zu haben, was einen höllen lärm verursacht. nebenbei noch immer die polizeisirenen von gestern (scheint als wäre das immer so). ich bin zu selten tagsüber zu hause. was ist aus der guten, alten mittagsruhe geworden?
und ich war so gut gelaunt
ich könnte mich aufregen. den ganzen tag und noch mindestens eine woche lange könnte ich wutschnaubend von meinem letzten erlebnis beim amt erzählen. das ganze ist mal wieder so typisch deutsch. bürokratisch, lächerlich und vollkommen ärgerlich.
seit einem halben jahr habe ich vor meinen ausweis ändern zu lassen. ich hab den namen des herzmannes angenommen, das will ich auch zeigen.
ich war ganz gut gelaunt, als ich das amt heute betrat. gerade noch einen zwei jahre alten schein ohne probleme vom prof abgeholt, alle unterlagen dabei und nur noch 23 leute vor mir auf der warteliste. ich bin zu beamten immer besonders freundlich, sie haben in neukölln ein hartes leben und ich möchte nicht, daß sie es in form von schikane an mir auslassen.
ich grüße also herzlich und lächle wie verrückt (bloß keinen grund geben). die beamtin allerdings sieht sofort, daß unsere eheschließung bereits im juli letzten jahres war und erklärt mir gleich die höhe des bußgeldes für die nichtfristgemäße beantragung des namenswechsels personalausweises. oh ja, das gibt es. pro monat ca. zwei euro. schonfrist wegen der flitterwochen beträgt vier wochen. macht zehn euro strafe!
danach noch eine standpauke, während sie mir den alten ausweis viermal lochte, wie man denn so unverantwortlich ohne gültigen ausweis rumlaufen kann, ich hab ihr nicht erzählt in welchen ländern ich seitdem gewesen bin. ich will nur noch den neuen ausweis beantragen. doch, wie konnte ich nur so blöd sein! als ich ihr mein passbild rüberschiebe schüttelt sie den kopf und sagt, daß sie dieses bild nicht nehmen kann. auf die frage warum denn nicht um himmels willen erklärt sie, daß meine haare auf dem foto nicht den derzeitigen entsprechen und sie es deshalb ablehnen muß. und nun fragt ihr euch sicher wie alt das bild gewesen sein muß, wenn man mich darauf nicht erkennen kann. ich kann es euch sagen. genau drei monate! drei scheiß, verdammte monate! drei monate in denen ich sechs zentimeter abgeschnitten habe. das ist alles!!! sie hat das bild nicht akzeptiert, weil mir in natura sechs zentimeter haarlänge fehlt. das ist doch absurd und absolut lächerlich. ich hab mich furchtbar aufgeregt und selbst jetzt könnte ich mich noch mehr aufregen, wenn ich mir überlege, daß sie, wenn ich einen zopf getragen hätte gar nichts bemerkt hätte. so ein schwachsinn!
sie hat mich dann überredet zum fotografen auf der anderen straßenseite zu gehen und neue bilder machen zu lassen. alles mit der uhr im hinterkopf, denn das amt sollte in fünfzehn minuten schließen. natürlich hätte ich dort nicht hingehen sollen. der mann war noch von der ganz alten sorte à la den kopf nach rechts, ein stück noch nach oben, jetzt leicht schräg links und die augen hierhin richten und natürlich sehen die bilder vollkommen bescheuert aus. so werde ich also die nächsten jahre aussehen. picklig und mit fettigen haaren, die augen vor ärger noch immer zusammengekniffen.
der herzmann versteht die ganze aufregung nicht. da sieht doch eh keiner hin! sicher wird es mir (in ca zehn jahren) egal sein, aber ich wollte einen schönen ersten ausweis mit dem neuen namen. spiele bereits jetzt (wo ich den neuen ausweis doch erst in drei wochen bekomme) mit dem gedanken, ihn demnächst als verloren gegangen zu melden.
panik?
ich glaub ich hab was nicht mitbekommen. überall wird gerade davon gesprochen wie schlimm die nacht werden soll, wegen des sturmes. und nicht nur die nacht, die schule in der ich heute mittag hätte unterrichten müssen ist geschlossen worden, damit alle sicher nach hause kommen. jetzt werden der herzmann und ich doch langsam ein wenig unruhig, denn wir müssen beide heute abend bis 22 uhr arbeiten. soll ich schon mal einen notfallplan aufstellen? könnte ja auf dem pergamonaltar schlafen.
nachtrag: die museen auf der insel sind nach langem hin und her tatsächlich kurz nach sieben geschlossen worden und zwar alle. ausschlaggebend war die meldung der bahn den zugverkehr eingestellt zu haben. sehr viele der mitarbeiter kommen aus den umliegenden städten und dörfern und hätten keine chance gehabt nach hause zu kommen. sie durften sofort gehen. alle anderen, als die häuser leer waren.
meine kolleginnen und ich wappneten uns für den gefährlichen nachhauseweg, um dann draußen festzustellen, daß es aufgehört hatte zu regnen und der wind auch nur sehr lau wehte. nicht sonderlich aufregend!

sopran sucht ihren sohn
von nun an können wir wieder mit abgewandtem blick an den bettelnden punkern vorbei gehen (ich weiß, wir sollten es nicht, aber ich glaube diese entwicklung läßt sich in einer großstadt kaum vermeiden).
sopran hat den sohn gott sei dank wiedergefunden.
oma zittau

ich weiß nicht viel über das leben meiner großmutter. alles was ich habe sind kindheitserinnerungen und berichte meiner eltern.
solange ich sie bewußt kannte hatte sie eine schwache form von alzheimer. ständig suchte sie ihre zähne und meinte immer wir kinder hätten sie die toilette runtergespült. tatsächlich brauchte man nur in der sesselritze zu suchen und dort fand man das gebiß fast immer. ich fand das lustig. ebenso die minütlich wiederkehrende suche nach dem riesigen haustürschlüssel.
für uns kinder war sie eine wunderbare oma. wir nannten sie komischer weise immer oma zittau nach dem ort in dem sie lebte, nie oma elli.
sie konnte unglaubliche sachen stricken. jeder von uns vieren hatte einen dicken pullover für den winter. den trugen wir über allen anderen sachen, wenn wir rodeln gingen. ebenso die mütze aus der nur das gesicht rausguckte mit langem bommel hinten dran.
den winter verbrachte sie meist bei uns im norden. für meine eltern war das manchmal eine schwierige zeit. ich bin nicht ganz sicher, ob sie meine mutter jemals richtig als die frau ihres sohnes akzeptiert hat. im sommer fuhren wir alle mit unseren trabant runter in den süden. acht stunden brauchten wir für die fahrt. heute fragt man sich wie wir alle kinder ins auto bekamen. eines von uns lag meist auf der oberen ablagefläche des kombis. obwohl ich schon sehr lange nicht mehr in zittau war sind mir die straßen und wege vollkommen im gedächtnis.
den letzen sommer verbrachte ich nachdem meine eltern mit meiner jüngeren schwester abgereist waren mit ihr allein. sie hatte jeden tag große probleme sich zu erinnern wer ich war. meist verwechselte sie mich mit anderen familienmitgliedern, die in ihrer erinnerung mein alter hatten. mit dreizehn war ich ihrer immer schlimmer werdenden krankheit nicht gewachsen. ich konnte mit den sehr bösartigen anschuldigungen meinen eltern gegenüber nicht umgehen. wir haben oft gestritten. einmal schrie ich sie an, sie soll die klappe halten. am nächsten tag wußte sie nichts mehr davon. ich habe mich jahrelang furchtbar dafür geschämt.
als sie ein risiko für sich selbst wurde holten meine eltern sie zu uns in den norden. sie hatte ein zimmer im altersheim unseres ortes wo wir sie besuchen konnten. jedes wochenende schlief sie bei uns. irgendwann ging auch das nicht mehr. die ganze nacht über wanderte sie durch die wohnung und suchte nach uns vieren als babys.
sie starb 1997. ich gab mich am telefon als meine mutter aus, damit der arzt mir sagte was los sei. ich mußte mehrmals nachfragen, als er sagte sie sei nun eingeschlafen, weil ich nicht verstand. meine schwester sah mich irritiert an und übernahm dann den hörer, um ihm die nummer unter der unsere eltern zu erreichen waren zu geben. ich saß im schlafzimmer auf dem boden und weinte.
heute wäre sie 100 jahre alt geworden. beim schreiben weine ich noch immer. sie fehlt mir sehr, selbst nach zehn jahren.