kleiderfrage

und da frage ich mich den halben tag, ob es in ordnung ist zu einer ausstellungseröffnung zu gehen und ein ziemlich durchsichtiges kleid tragen zu wollen, als mir aufgeht, dass jeder der dort ist mich auf riesenfotos komplett nackt sieht.

das ist ein ja fürs kleid oder?

back to the roots

ich hab mich wieder in einem museum beworben. ja, schlagt mich! ich weiß ja auch nicht! ich hab fünfmal hin und her überlegt. will ich mir das wieder geben? unfreundliche touristen? massenabfertigung? schwarz tragen?
ok, es war ja nicht immer so und eigentlich mochte ich viele seiten des jobs, sonst wäre ich sicher nicht so lange dabei gewesen. ausserdem gefällt mir wie unglaublich selbstsicher ich auftrete, wenns um museumsarbeit geht. ich hab mich spontan persönlich und ohne termin vorgestellt. die jahrelange erfahrung macht mich hemmungslos.

fließbandarbeit

ich: hallo

besucher ohne luft zu holen: italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano, italiano

ich: hallo, welche sprache hätten sie gern?

die nächsten 500 besucher: espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol, espaniol

august ist reisezeit und höflichkeit wird überbewertet

maulfaule deutsche

museumsbesucher sind nicht immer freundlich. man könnte ja eigentlich annehmen, dass sie, weil sie frei haben und sich ein schönes museum anschauen auch gute laune haben, aber das ist ein trugschluß.
es kommt öfter vor, daß man sich mit besuchern streitet. obwohl streiten das falsche wort ist, meist steht man einen wütenden menschen gegenüber, der die mitarbeiter als schuttabladefläche benutzt. gebrülle und beleidigungen sollten mich inzwischen kalt lassen, leider fährt mein adrenalinspiegel aber noch immer hoch und deshalb brauche ich ewig, bis ich mich wieder beruhigt habe. beispiel gefällig?

eine gruppe (ca sechs leute) kommen zu mir an den stand. ich bin gut gelaunt, lächle, grüße und frage (auf deutsch)nach der gewünschten sprache. eine frau aus der gruppe sagt mir, dass sie die führung auf italienisch möchten und zeigt dabei auf die komplette gruppe. alle lächeln und beim verteilen erkläre ich ihnen, wie die geräte funktionieren. als ich dem letzten aus der gruppe das gerät gebe schaut der mich ein wenig blöde an. ich denke mir nichts dabei, das sehe ich ständig. technische dinge überfordern manche leute eben.
eine gute viertel stunde später kommt der leicht dümmlich schauende mann zurück. jetzt allerdings sieht er wütend aus und verhält sich auch so.

er: irgendwer von ihnen hat mir ein italienisches gerät gegeben und das, obwohl ich deutscher bin!
ich: ich bin das gewesen. ich stelle es ihnen sofort auf deutsch ein.
er: wieso geben sie mir die falsche sprache?
ich: ich kann nicht wissen, welche ihre sprache ist, wenn sie nicht mit mir sprechen. sie standen inmitten einer gruppe. als ich fragte welche sprache sie gern hätten sagte man mir italienisch.
er: ja aber das habe ich doch nicht gesagt! sie hätten mir deutsch geben müssen. sie haben mich ja nicht mal persönlich gefragt, was schon eine frechheit ist.
ich: ich konnte nicht ahnen, dass sie nicht zu dieser gruppe gehörten. sie hätten nur erwähnen müssen, dass sie gern eine andere sprache hätten. ich habe sie alle angeschaut und durchaus gefragt, welche sprache sie brauchen. sie hätten auch einfach nur aus lauter höflichkeit auf meinen gruß reagieren können, dann hätte ich schon bescheid gewußt.
er: das ist ja wohl eine frechheit! ich soll sie auch noch grüßen und ihnen sagen, was ich will? warum bin ich wohl hier? wir sind in einem deutschen museum! diskutieren sie nicht mit mir rum und jetzt geben sie sofort das andere gerät her.
ich: ein neues gerät ist nicht nötig. ich kann ihnen das gerät, das sie umhängen haben auf deutsch einstellen.
er: sie fassen mich nicht an! geben sie mir ein neues gerät! was sind sie für eine unmögliche person?
ich: so, jetzt hab ich wirklich genug! wenn sie sich nicht nicht ordentlich mit mir unterhalten können, dann lassen sie es sein. ich habs nicht nötig mich von ihnen beschimpfen zu lassen. ich bin hier nicht ihre untergebene!

natürlich hat er mich noch eine ganze weile blöde angemacht, aber ich habe ihn dann ignoriert. mein gerechtigkeitsempfinden ist ziemlich schwarz/weiß. ich wünsche mir jedesmal, dass der andere auch mal einsieht, etwas falsch gemacht zu haben. das ist es eher, was meinen adrenalinspiegel so unglaublich langsam sinken läßt. ich könnte mich über so ein verhalten noch stundenlang aufregen. besonders weil der typ immer denken wird, er wäre im recht gewesen.

lustiges völkchen

italienische schulklassen sind im museum selten zu was gut. sie sind unfaßbar laut, malen kunstwerke an, verstehen kein wort englisch, wirken unglaublich dümmlich….eigendlich sind sie der albtraum des aufsichtspersonals. jedes jahr vor ostern scheinen alle italienischen abschlußklassen nach berlin zu fahren. die museen sind so voll, daß die klassen schon gar nicht mehr reingelassen werden. dann lümmeln 300 grölende schüler auf dem ehrenhof rum und warten, bis das pergamon wieder leute aufnehmen kann. neulich hab ich sie aber tatsächlich zum ersten mal geliebt. als ich aus dem museum wollte, standen die schüler im halbkreis vor der eingangstreppe auf dem hof. ich hab erst nicht verstanden was das sollte, bis sie, als ich die tür öffnete mich mit klatschen, jubeln und laola wellen begrüßten. sehr schönes gefühl, mal so nebenbei! sie feierten jeden, der aus dem museum kam und zählten laut mit, wieviele noch fehlen, bis sie reindürfen. lustiges völkchen!
ich hatte wegen der italiener den ganzen tag gute laune. die jahre des stresses mit ihnen sind vergessen. ich werd mich ewig erinnern!

menschen im museum

der dritte stock der alten nationalgalerie ist zur zeit wegen umbauten für eine sonderausstellung geschlossen. ein besucher beschwert sich lautstark bei mir darüber und ich erkläre ihm, dass manche der bilder nach brüssel für eine sonderausstellung ausgeliehen worden sind.

besucher: das hab ich ja noch nie erlebt. kein anderes land auf der welt macht sowas und leiht einfach seine bilder aus.

ich: aber natürlich machen das andere länder auch. denken sie doch nur mal an die moma oder die met, die jetzt im sommer aus den staaten kommt.

besucher: ja das ist wieder typisch für deutschland. natürlich müssen sie den amis jetzt wieder alles nachmachen.

menschen im museum

nicht zum ersten mal lese ich ich in anderen blogs darüber, daß jemand die audioguides benutzt, die ich jeden tag an die leute rausgebe. diesmal wars phoebe in hamburg bei der caspar david friedrich austellung. schon witzig, besonders wenn ich bei flickr fotos ausm pergamon finde, wo leute mit guide drauf sind. wahrscheinlich hab ich ihnen das gerät dann noch gegeben.

der kampf um die pfandkarte

in vielen museen ist es üblich ein dokument als pfand für das audiogerät zu hinterlassen. wir machen das nicht aus reiner schikane, sondern weil die dinger inzwischen so klein geworden sind, daß die leute manchmal vergessen sie wieder abzugeben.
den meisten besuchern macht es nichts aus, sie wundern sich sogar in den museen, wo kein pfand genommen wird wie vertrauensseelig wir sind. andere wiederum flippen bei dem gedanken uns ihr barmerkarte dazulassen völlig aus. mir ist diese panikmache nicht ganz klar. was glauben die leute denn, was ich mit ihren pfändern mache? schnell zum arzt rennen und mich als kurt meierheinrich, alter 67 ausgeben, um auf seine kosten an ein paar medikamente ranzukommen? lächerlich!
noch viel schwerer als ein dokument zu kriegen ist es, am ende von den besuchern die pfandkarte zurückzubekommen. die gegebenen ausweise werden in einem ordner einsortiert. jedes fach hat eine karte mit der entsprechenden nummer drauf, die wir im austausch gegen den pfand rausgeben. nur so können wir bei den vielen dokumenten einen überblick behalten. kommt der besucher mit dem gerät zu mir zurück, bitte ich ihn mit die pfandkarte zu geben, damit ich sein dokument raussuchen kann. an dem punkt geht der spaß meist richtig los.

besucher (im befehlston):

ich kriege noch meine barmerkarte wieder. meierheinrich, kurt.

ich (wie immer freundlich):

ich bräuchte dann die pfandkarte von ihnen.

besucher:

welche karte?

ich:

ich habe ihnen vorhin im austausch eine grüne plastekarte mit einer nummer drauf gegeben. die bräuchte ich, um ihr dokument rauszusuchen.

besucher:

hab ich nie bekommen!

ich:

ganz sicher! würden sie bitte mal in ihrer brieftasche nachschauen! meist steckt die karte dort, wo sie den pfand rausgenommen haben.

besucher:

ich brauche nicht nachzuschauen. ich sage ihnen doch, daß sie mir nichts gegeben haben.

er ruft zu seiner frau rüber:

marianne, kannst du dich erinnern, daß die dame hier mir eine karte oder sowas gegeben hat? sehen sie, sie kann sich auch nicht erinnern. also geben sie mir jetzt meine karte!

ich:

ich bin mir vollkommen sicher, auch ihnen eine pfandkarte gegeben zu haben. wären sie bitte so nett und sehen trotzdem mal in ihrer tasche nach?

besucher (inzwischen sehr wütend):

sie wollen mir erzählen, was ich eingesteckt habe? da hört sich doch alles auf! ich will sofort meine karte zurück! es ist überhaupt schon eine frechheit, daß ich etwas abgeben mußte. ja, glauben sie denn ich klaue? wollen sie mir das unterstellen?

ich (lächelnd, aber blöder sack denkend):

alles was ich möchte, ist ihnen ihren pfand wieder zurück geben. sollten sie die pfandkarte nicht finden, bräuchte ich ihren personalausweis, um den pfand raussuchen zu können.

besucher (überheblich):

na, dann tun sie ja nun doch endlich mal was für ihr geld!

beim öffnen der brieftasche und ausweisraussuchen fällt die grüne pfandkarte auf den tresen. er registriert das, sagt nichts, gibt mir aber auch seinen ausweis nicht. schließlich kann ich ja die barmerkarte nun anhand der nummer im ordner suchen. innerlich fluchend gebe ich im die karte, wohlwissend jetzt den mund halten zu müßen, sonst eskaliert das ganze und herr meierheinrich springt mir vor wut über die bloßstellung über den tresen.
natürlich läuft es nicht immer so schlimm ab. ich habe von einer kollegin gehört, daß ihr ein mann, mit dem sie vorher böse diskutiert hatte schokolade aus dem museumscafe als entschuldigung an den stand brachte. das ist schon viel mehr, als ich inzwischen von den leuten erwarte. die meisten kriegen ja nicht mal ein tut mir leid über die lippen, sondern rauschen einfach wütend davon.

gebe auskunft

ich freue mich außerordentlich, daß leute über die googlesuchanfrage: erster sonntag im monat freier eintritt ins museum hierher kommen und so aus erster hand erfahren, daß der abgeschafft wurde. (der freie eintritt, nicht der sonntag)

tipps für den museumsbesuch 3

am 3.12. ist es wieder soweit. in monatlicher regelmäßigkeit werden wir an diesem sonntag wutausbrüche, beschimpfungen und schlechte laune über uns ergehen lassen müssen. wir sind es gewohnt!
einige museumsmitarbeiter schaffen tatsächlich noch ein versöhnliches lächeln, andere wiederum bringen keinen funken mitleid mehr auf, wenn sie den besuchern sagen, daß der kostenlose erste sonntag im monat in den staatlichen museen bereits vor zwei jahren abgeschafft wurde und deshalb heute eintritt gezahlt werden muß, um ins museum zu kommen.
die meisten besucher nehmen es hin. ihnen ist klar, wie alt ihr reiseführer ist oder, daß manche internetseiten nicht aktualisiert werden. dann aber gibt es den typ besucher, der ohnehin nicht ins museum wollte. den seine frau wahrscheinlich überredet hat heute ein wenig kultur zu machen und da es ja vermeintlich kostenlos ist hat er zwar keine große lust aber nichts dagegen.
genau dieser typ wird ausrasten. er wird auf seinem recht bestehen kostenlos ins museum zu kommen, schließlich sei er erst letzten monat da gewesen und da hätten er und alle anderen besucher nichts zahlen müssen. nicht, daß es ihm ums geld ginge. es geht ums prinzip! der erste sonntag im monat ist frei, denkt er und so werden diskussionen zwecklos. er wird sich nicht beruhigen. erst wird er brüllend kostenlosen einlaß fordern, während seine frau peinlich rot und beschämt neben ihm steht. so viel sei gesagt, er wird ihn nicht bekommen, den freien einlaß. ebenfalls wird man ihm nicht den ermäßigten preis geben, nach dem er dann schreit. man wird ihn freundlich aber bestimmt darauf hinweisen, daß er jede woche donnerstags kostenlos die staatlichen museen zu berlin besuchen kann. in den letzten vier stunden der öffnungszeiten braucht dann niemand eintritt zu zahlen.
unseren choleriker wird das nicht milde stimmen. er wird gehen. seine frau im schlepptau wird er den gazen weg vor sich hin fluchen, was für unverschämtes personal im museum arbeit und, daß die schlechte behandlung ihm gegenüber noch konsequenzen haben wird.
in den meisten fällen hören wir nie wieder was von ihm. auch nicht, wenn er am folgenden donnerstag durch den eingang des museums kommt. erst, wenn er den audiostand erreicht und bemerkt, daß er bei freiem eintritt für die sonst im preis enthaltene führung zahlen muß, geht die ganze diskussion von vorn los.
auf ein neues, wir sind es gewohnt!